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3. Wirtschaft und Handel
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Die Beziehungen zwischen Taiwan und Europa nach dem WTO-Beitritt

Wu Rong-i
Vorstand
Taiwan Institute of Economic Research

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Taiwans Exporte nach Europa haben sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich erhöht. Den Hauptanteil stellten dabei technologieintensive Produkte wie Büromaschinen und Computer.
Obwohl Europa einer der wichtigsten Handelspartner der Republik China ist, erreicht der Handel mit diesem Kontinent aufgrund der Entfernung, der Sprachbarrieren und des Rückzugs der Republik China aus den Vereinten Nationen im Jahr 1971 nicht das Volumen des Handels mit Asien oder Nordamerika. So beliefen sich beispielsweise im Jahr 2000 die Exporte Taiwans in die USA auf 34,8 Mrd. US$, während die Exporte nach Europa nur 22,16 Mrd. US$ erreichten.

Taiwans Handel mit Europa kam erst Mitte der 80er Jahre richtig in Schwung. 2000 betrug das bilaterale Handelsvolumen zwischen der Republik China und der EU 42,7 Mrd. US$, was 14,8 % des Gesamthandelsvolumens von Taiwan entsprach. Die EU war nach den USA und Japan Taiwans drittgrößter Handelspartner, während Taiwan der zehntgrößte Handelspartner und siebtgrößte Lieferant der EU war.

Taiwans Exporte nach Europa haben sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich erhöht, vor allem im Verlauf der jüngsten asiatischen Finanzkrise. Während damals die meisten asiatischen Länder eine Rezession erlebten, konnte Taiwan durch verstärktes Exportieren auf den europäischen Markt ein gesundes Wirtschaftswachstum aufrechterhalten.

Tabelle IV zeigt, daß zwischen 1996 und 1998 Taiwans Exporte in die EU die Exporte in alle asiatischen Länder in den Schatten stellten. Dieser Umstand zeigt die Bedeutung Europas als Markt für Taiwans Handelsdiversifizierung.

Zu Anfang bestanden Taiwans Exporte nach Europa hauptsächlich aus Textilerzeugnissen, Kleidung und Schuhen. Heute wurden diese Erzeugnisse durch technologieintensive Produkte ersetzt. So erhöhte sich beispielsweise der Anteil von Büromaschinen und Computern an den Exporten in die EU von 1,4 % im Jahr 1980 auf 34,4 % im Jahr 1997; damit war Taiwan der drittgrößte Lieferant der EU für diese Produkte. Die Exporte von Elektronikprodukten nach Europa erzielten in diesem Zeitraum mit einem Wachstum von 7,1 % auf 16 % Exportanteil ebenfalls einen beachtlichen Zuwachs. Taiwans Importe aus der EU bestehen vornehmlich aus Rüstungsgütern und Rohstoffen für die Produktion von Automobilen, IC-Chips, Maschinen und Stahl.

Im Dezember 2000 beliefen sich die europäischen Gesamtinvestitionen in Taiwan auf 5,3 Mrd. US$ oder 11,9 % aller direkten ausländischen Investitionen in Taiwan. Diese Zahl liegt deutlich unter den 24 % der US-Investitionen bzw. den 21 % der japanischen Investitionen. Der Großteil der europäischen Unternehmen hat in Taiwan in die chemische Industrie, die Elektro- und Elektronikindustrie sowie in die Finanz- und Versicherungsbranche investiert.

Von den EU-Ländern, die in Taiwan investiert haben, lagen die Niederlande mit einem Anteil von 31,9 % aller europäischen Investitionen an der Spitze, gefolgt von Großbritannien mit 26,4 %. Die größten europäischen Unternehmen mit einem Investment in Taiwan sind Philips, ABB, Siemens und ICI. Derzeit gibt es über 900 europäische Investitionspläne im Zusammenhang mit öffentlichen Bauprojekten oder Joint Ventures mit Taiwans High-tech-Industrie.

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Nach Taiwans WTO-Beitritt werden viele einheimische Produkte wie etwa Zigaretten oder Wein von niedrigeren Zöllen beeinflußt werden. (Photo von Huang Chung-hsin)
Im Dezember 2000 betrugen die Investitionen der Republik China in Europa lediglich 780 Mio. US$ oder 3 % der gesamten direkten Auslandsinvestitionen der Republik China. Dieser niedrige Prozentsatz ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die meisten taiwanesischen Unternehmen in den europäischen Märkten nur Verkaufsniederlassungen errichten, die nur geringe Gründungskosten verursachen. Taiwanesische Investitionen in Europa im Zusammenhang mit Produktionsbetrieben finden sich vor allem in Großbritannien; das bedeutendste Werk ist Chung Hwa Picture Tube in Schottland, wo Bauelemente für die Informationstechnologie für einige der weltweit größten internationalen IT-Unternehmen, darunter Digital und IBM, gefertigt werden.

Da sich Taiwan allmählich zu einem globalen High-tech-Zentrum entwickelt, werden sich mit Sicherheit noch zahlreiche Gelegenheiten für Zusammenarbeit und Entwicklung ergeben. 1997 verfügte die EU über 6,5 % der Weltbevölkerung, aber über 28 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Da die EU ihre Mitgliederzahl immer weiter erhöht, wird auch das Potential dieses riesigen Marktes zunehmen.

Seit 1995 haben taiwanesische Investoren Industriezonen in Polen und der Tschechischen Republik als Sprungbrett für den Absatz in der EU entwickelt. Taiwans Handelsdefizit mit der EU ist allmählich zu einem Handelsüberschuß geworden. Der Handelsüberschuß zwischen der Republik China und der EU für 2000 belief sich auf 6,7 Mrd. US$. Diese Zahlen zeigen Taiwans aktive Bemühungen um die Entwicklung des europäischen Marktes.

Die Republik China geht von einem WTO-Beitritt im Jahr 2001 aus. Dazu muß ihr Inlandsmarkt notwendigerweise vollständig geöffnet werden. Die Handelschancen, die die Republik China nach ihrem Beitritt bietet, sind für die europäischen Unternehmen zu wertvoll, um ignoriert zu werden. Beispiele sind die Zölle für Automobile, die jährlich von derzeit 30 % auf 17,5 % im Jahr 2008 reduziert werden, oder auch die Erhöhung der Agrarimporte.

Taiwans Dienstleistungsindustrie, die in der Vergangenheit durch starken Protektionismus geschützt war, wird der ausländischen Konkurrenz geöffnet. Die Dienstleistungsindustrie der EU ist traditionell sehr wettbewerbsfähig und hatte 1999 einen Anteil von 42,3 % an den gesamten Dienstleistungsexporten weltweit. Tatsächlich sind vier der fünf größten Exporteure von Dienstleistungen Mitglieder der EU. Somit werden europäische Unternehmen in Taiwan hervorragende Investitionsmöglichkeiten vorfinden.

Noch wichtiger ist jedoch, daß Taiwan derzeit nach den Auslandsinvestitionen weltweit Rang 16 bekleidet und einer der größten Investoren auf dem chinesischen Festland ist. Nach dem Beitritt der VR China zur WTO werden ihre gewaltigen Märkte zahllose ausländische Unternehmen anziehen. Taiwanesische Unternehmen investieren bereits seit etlichen Jahren in der VR China, ihre Gesamtinvestitionen belaufen sich auf über 20 Mrd. US$ oder 40 % der gesamten auswärtigen Investitionen Taiwans. Daher werden die taiwanesischen Unternehmen ihre Erfahrungen an europäische Firmen, die auf dem Festland investieren wollen, weitergeben können.

Schließlich werden die europäischen Unternehmen im Zuge von Taiwans Entwicklung zu einem globalen Logistikzentrum die Insel als Basis für den Zugang zu den asiatischen Märkten nutzen können, um gemeinsam mit taiwanesischen Firmen die Märkte auf dem chinesischen Festland und in Südostasien zu erschließen.


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