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Die Teekunst

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Beim Pflücken, Sortieren und Trocknen von Teeblättern in der Sonne werden traditionelle Korbgeräte benutzt.(Foto: Huang Chung-hsin)

Die Schönheit von taiwanischem Tee beruht im Geist der hart arbeitenden Generationen der Vergangenheit, die das Goldene Zeitalter des taiwanischen Tees einläuteten.

Die Schönheit von Tee liegt in der gefestigten Weisheit der jetzigen Generation, welche die beispiellose Eleganz des taiwanischen Tees vorführen will.

I. Die Geschichte des taiwanischen Tees

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Lu Yu beim Teekochen von Zhao Yuan (1372 n. Chr.) (Aus der Sammlung des Nationalen Palastmuseums Taipeh)

Der Tee, den die Taiwaner früher tranken, wurde anfangs aus Festlandchina importiert, vor allem aus dem Süden der Provinz Jiangsu und aus der Provinz Fujian. Damals, während der Dynastien Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911), waren die meisten Teetrinker in Taiwan Menschen mit Wohlstand, Macht oder akademischem Hintergrund. Während der japanischen Kolonialzeit (1895-1945) wurde Uji-Tee aus Japan importiert, und nun reihten sich auch einflussreiche und wohlhabende Japaner in die Riege der Teefreunde Taiwans ein. Nach Taiwans Rückgabe an China wurde festlandchinesischer Tee auf dem Markt angeboten und damit zum Massengetränk. Während der Frühphase wurde Tee aus Taiwan jedoch hauptsächlich für den Export produziert, und erst in den siebziger Jahren begann sich der Markt allmählich nach innen und der lokalen Nachfrage zuzuwenden.

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Drei künstlerische Teekännchen von Zhang Ji-tao.(Foto: Huang Chung-hsin)

Taiwanische Teesorten stammen von ursprünglich wild wachsenden Pflanzen. Es gab zwei Hauptarten, deren größter Unterschied in der Farbe ihrer Triebe lag: Taiwanischer Bergtee hatte grünliche oder hellviolette Keime, und der Lilasprossen-Bergtee fuchsienfarbene Keime. Zunächst hatte taiwanischer Tee nur geringen kommerziellen Wert, doch das änderte sich, als am Taiwan-Tee Nr. 18 Änderungen gelungen waren und er sich nun für die Herstellung von schwarzem Tee eignete.

Nachdem 1860 der Vertrag von Tientsin in Peking ratifiziert und der taiwanische Hafen Danshui dem Handel geöffnet worden war, begann der britische Kaufmann John Dodd mit einheimischen Teehändlern und Bauern zusammenzuarbeiten, um für taiwanischen Tee zu werben, und entwickelte das Produkt allmählich zum Exportartikel. Schon recht bald stand Tee an erster Stelle der drei am meisten exportierten taiwanischen Artikel und übertraf damit sogar noch Zucker und Kampfer. Die frühesten während der Qing-Dynastie exportierten Teesorten waren Oolong und Baozhong-Tee, die ab 1865 bzw. 1881 im Ausland verkauft zu werden begannen.

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Hochwertige Teeblätter kommen von Terrassenfeldern höherer Gebirgslagen. (Foto: Yeh Ming-yuan)

1906, während der japanischen Kolonialzeit, wurde neben Oolong und Baozhong-Tee erstmals auch schwarzer Tee exportiert. Gleichzeitig begann das Amt des japanischen Gouverneurs in Taiwan damit, privaten Organisationen wie dem taiwanischen Teehändlerverband dabei zu helfen, mit Teeständen für die „Schönheit des taiwanischen Tees“ auf internationalen Handelsmessen in der ganzen Welt zu werben. Dank den schönen Werbeplakaten für taiwanischen Tee auf diesen Messen, der eleganten Verpackung der Teeprodukte aus Taiwan und der ebenso kultivierten wie professionellen Serviertechnik der Händler konnte das weltweite Image des taiwanischen Tees rasch verbessert werden.

Nach der Rückgabe Taiwans an China ergänzte Tang Ji-shan Taiwans laufende Exporte von Oolong, Baozhong und schwarzem Tee mit grünem Tee. Das umfasste 1949 auch die Vorstellung von gerösteten grünen Teesorten, etwa Zhu-Tee oder Mei-Tee. Ab 1963 wurde gedämpfter grüner Tee, auch Sen-Tee genannt, nach Japan exportiert, und als 1973 die taiwanischen Tee-Exporte nach Japan ihren Höhepunkt erreichten, war Sen-Tee das Exportprodukt mit dem größten Volumen. Während dieser Zeit richtete die Regierung mit Vertretern aus verschiedenen Ministerien zur Unterstützung der privaten Tee-Unternehmen die „Organisation für die Verbesserung des taiwanischen Tees“ ein. Gleichzeitig benutzte der private Sektor den „Taiwan-Teeherstellerverband“ und den „Verband der taiwanischen Tee-Exporteure“ als Zentralen zur Werbung für Tee aus Taiwan.

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Bei der Teezeremonie spie-len die Art und Weise des Servierens und die dazuge-hörigen Etikette eine große Rolle. (Foto: Yeh Ming-yuan)

Auf dem Höhepunkt der taiwanischen Tee-Exporte begann man im privaten Sektor die Bedeutung des einheimischen Marktes zu erkennen. Ab 1973 warb das „Taiwan-Teewerbeteam“ unter Lin Fu-quan für Tee-Verbrauch im Inland, und im Jahr darauf sponserte die Landwirtschafts- und Forstabteilung der Provinzregierung Taiwans eine Teeausstellung auf Provinzebene in Xindian (Landkreis Taipeh). Durch die Zusammenarbeit der Kreisverwaltungen in teeproduzierenden Gebieten, von Bauernverbänden und Massenmedien wurde eine solide Grundlage für die inländische Teewerbung geschaffen. Am 14. August 1977 wurde das „Chinesische Kungfu-Teehaus“, der Vorläufer der modernen Teehäuser Taiwans, gegründet. Schon bald schossen überall Teehäuser wie Pilze aus dem Boden, und die ganzen achtziger Jahre hindurch bildeten diese Teehäuser nach und nach Verbände, die sich der Förderung der Teekultur widmeten.

Unter den gemeinsamen Anstrengungen der Regierung, der Teebauern,- Teehersteller- und Teehausverbände sowie lokaler Teehäuser und Tee-Experten wandelte sich der inländische Teekonsum allmählich zu einer modernen und blühenden künstlerischen Teekultur. An normalen Tagen arbeiteten diese Organisationen und ihre Mitglieder in ihren jeweiligen Berufen, doch sobald eine Teekulturveranstaltung anstand, teilten sie sich die Arbeit und schufen gemeinsam ein elegantes Bild der taiwanischen Teekunst.

II. Die Schönheit des taiwanischen Tees

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Teekännchen mit langem Henkel sollen den Teekenner vor Verbrühungen mit kochendem Wasser schützen. (Foto: Taiwan Panorama)

Alle Aspekte des taiwanischen Tees — sei es das Aroma oder das Teewasser, seien es die Teeservice, die Teezeremonie, Teekenner, Teehäuser, Teesnacks oder Tee-Festgelage — haben sich in Taiwan auf ein unerreichtes Niveau entwickelt. Ob man sich auf die ästhetische Theorie oder auf die Praxis konzentriert, jeder Aspekt des Tees in Taiwan kann daher als Vorbild sowohl für das Leben als auch für die Kunst dienen.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in seinem Aroma, nach ästhetischen Standards erkennbar an der Klarheit der Farbe, der Eleganz des Duftes und der Reinheit des Geschmacks. Sei es baozhong-Tee, dongding-Tee, pengfeng-Tee, tieguanyin-Tee, Drachenbrunnen-Tee oder schwarzer Tee, jede Sorte hat ihre eigenen einzigartigen Eigenschaften. Taiwanische Tees gibt es in vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, von mild über lieblich und fein bis stark. Der typischste Tee aus Taiwan ist der milde wohlriechende Oolong-Tee, ein klarer und duftender Tee aus halbrunden Blättern. Mit seinem süßen Duft und reichen Geschmack verkörpert dieser Tee die Essenz von Taiwans Bergen und Flüssen und ist eine Kondensierung von Wohlgeruch und Tau. Es ist ein besänftigender Tee, wie es ihn sonst auf der Welt nirgends gibt.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in dem Teewasser, mit dem er bereitet wird. Seit alters her ist Taiwan für seine natürlichen Quellen bekannt. Gemäß dem ästhetischen Standard für gutes Teewasser muss das Wasser süß, wohlriechend, klar und kühl sein. Klares Wasser sorgt für eine reine Farbe und betört das Auge, kühl bedeutet erfrischend, und süß und wohlriechend verwöhnen den Geschmacks- und Geruchssinn. Zu guter Letzt erfreuen das Brausen der Bergflüsse und das Brodeln des kochenden Wassers das Gehör. Auf diese Weise ist taiwanischer Tee eine Wohltat für die fünf Sinne.

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Zu einem vollständigen Teeservice gehört ein elegantes Bambustablett.(Foto: Eugene Yen)

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in dem Teeservice, mit dem er kredenzt wird. Taiwanische Teeservice sind fein, elegant und in sanften Farben gehalten, es gibt sie in zahllosen Formen, sie sind wunderbar künstlerisch und sorgfältig gearbeitet, besitzen viele Funktionen und Verwendungsmöglichkeiten und sind dazu noch bequem und einfach zu handhaben. Die Kunstfertigkeit zur Herstellung von Teeservice hat sich bereits auf ein so hohes Niveau entwickelt, dass man es nicht mehr als Handwerk, sondern als Kunstform betrachtet.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in der Teezeremonie. Dazu gehören ansprechende Haltung und ein gemessenes Auftreten, weiche, graziöse und beherrschte Gesten, traditionelle Techniken, ein würdiges und gesammeltes Benehmen sowie ein warmes und freundliches Wesen. Je nach Situation oder Anlass gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Tee zu servieren.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in den Teekennern der Insel. Der typische Teefreund in Taiwan ist umgänglich und respektvoll, bescheiden, höflich und ehrfurchtsvoll, freundlich und kontaktfreudig. Sei es nun der Magnat eines Tee-Unternehmens, ein ehrwürdiger Teekunstfachmann, ein Teespezialist oder eine sonstige Koryphäe in der Welt des Tees, taiwanische Teekenner tun nicht vornehm und sind immer bereit, anderen zu helfen.

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Tee-Naschereien sehen normalerweise fein und hübsch aus und haben ein süßes, blumiges Aroma. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Taiwan Panorama)

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in der Gestaltung seiner Teehäuser. Teezimmer in Privatwohnungen sind in Taiwan kunstvoll eingerichtet und werden vielen verschiedenen Geschmacksvorlieben gerecht. Normale Teehäuser sind meist sorgfältig in einem klaren und individuellen Stil dekoriert. Teehäuser in einer schönen landschaftlichen Umgebung legen den Schwerpunkt auf das Trinken von Tee vor einer natürlichen Kulisse: Man genießt das Getränk und ergötzt sich dabei an dem Anblick von Bergen und Flüssen. Park- und Gartenteehäuser mit ihren gewundenen Wegen und Korridoren geben dem Besucher das Gefühl, ein Gemälde eines südchinesischen Gartens zu betreten. „Neue Literaten“-Teehäuser dienen als versteckter Zufluchtsort in den großen Städten, und dort findet der Gast, der dem Trubel des Stadtlebens für eine Zeitlang zu entkommen sucht, Ruhe und Stille. Teehäuser im englischen Stil sind warm, klar und anziehend und geben die Atmosphäre des ländlichen Englands wieder. Volkstümliche Teehäuser schmücken sich mit kulturellen und historischen Objekten Taiwans und beschwören die Erinnerungen an die taiwanischen Traditionen. Moderne Teehäuser sind einfach, sauber, elegant, kultiviert und im Einklang mit dem Puls der industriellen Wirtschaft. In pädagogischen Teehäusern betrachtet man die Tee-Erziehung als langfristige Aufgabe und ist mit Begeisterung bereit, Teetrinkern die Kultur näher zu bringen. Tourismus-Teegärten führen Menschen in Teefelder an Berghängen, damit sie dort den echten Charme taiwanischen Tees erfahren können. Quyi-Teehäuser mit ihrer schönen und angenehmen Musikkulisse und Tanzvorführungen betonen die Förderung von Volkskunst und Kultur. Salon-Teehäuser, in denen sich literarische Zirkel treffen, dienen als Veranstaltungsort für theoretische Gespräche eleganter und kultivierter Kreise. Zusätzlich zu diesen vielen verschiedenen Arten von Teehäusern gibt es auch improvisierte Teestände, wo Passanten Tee angeboten wird, und traditionelle Teetische wie in Teehäusern für Senioren. Diese Vielfalt der Teehäuser in Taiwan hat die moderne Freizeitkultur verfeinert, so dass sie dadurch noch fröhlicher, vital, bunt und großartig ist.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in den Teesnacks. Es gibt eine reiche Vielfalt schmackhafter Spezialitäten, die gemeinsam mit Tee angeboten werden, auch auf großen Festlichkeiten. Bei manchen Speisen ist Tee sogar die wichtigste Zutat, was die Anwendungsmöglichkeiten für Teeblätter noch vergrößert, etwa bei Mondkuchen, Tee-Likören, Tee-Nudeln und anderen Teeprodukten. In Taiwans Teekultur gehören Taiwans Tee-Erfrischungen nach sorgfältiger Forschung heute zur ästhetischen Welt der Speisen und Getränke.

Die Schönheit des taiwanischen Tees beruht in den Tee-Festgelagen, die durch die Integration vieler anderer Kunstformen, etwa literarischer Kunst, Lebenskunst, Kunsthandwerk und kulinarischer Kunst, immer beliebter wurden. Die Teilnehmer an solchen Tee-Festgelagen, sei es als Gastgeber oder als Gast, können den Teegenuss bis zum Letzten ausschöpfen, sich am Tee berauschen und die darin enthaltenen Tugenden aufnehmen. Diese „Verwendung von altem Wissen für den heutigen Alltag“ erlaubt es den modernen Menschen, Zugang zu der großartigen und geschätzten Kunst des Lebens zu erhalten.

Chinesische Urfassung von Zhang Hongyong


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Tee-Zubehör und Fächer sind typische Beispiele für den Lebensstil traditioneller Literaten. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Taiwan Panorama)

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