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Sun Yat-sen (Mitte vordere
Reihe) bei seinem Amtsantritt als provisorischer Präsident der
Republik China in Nanjing am 1. Januar 1912. (Foto mit
freundlicher Genehmigung des Kuomintang-Parteiarchivs) |
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In diesem Jahr feiert die erste Republik Asiens – die Republik China – ihren 100. Geburtstag. Diese jetzt in Taiwan beheimatete Republik verwirklicht die grundlegenden Ideale ihres Gründervaters Dr. Sun Yat-sen, nämlich ein Staat zu sein, der „das Volk repräsentiert, vom Volk beauftragt wurde und für das Volk arbeitet“. Die Bürger der Republik China auf Taiwan leben heute in einer vitalen Mehrparteien-Demokratie mit einer stabilen Wirtschaft. Sie genießen uneingeschränkte Meinungsfreiheit, eine gut ausgebaute Sozialfürsorge, Schutz der Menschenrechte sowie höchste Rechtssicherheit.
Dies zu erreichen, war Triebfeder der von Dr. Sun geführten revolutionären Erhebungen vor 100 Jahren, die ihren Höhepunkt im Aufstand am 10. Oktober 1911 in Wuhan, einer Stadt in der festlandchinesischen Provinz Hubei, fanden. Dadurch wurde die fast zwei Jahrtausende währende Macht des Kaiserhofs gebrochen und die Basis gelegt für die Gründung der neuen Republik am 1. Januar 1912.
Bereits zu Beginn mussten die Gründungsideale der jungen Republik – Demokratie, Wohlstand, territoriale Integrität und soziale Gerechtigkeit – verteidigt werden gegen chinesische Kriegsherrn und die japanischen Invasoren im Nordosten des Landes. Bald darauf war die Republik China Teil der alliierten Streitkräfte, die sich während des Zweiten Weltkriegs gegen die japanischen Militärinterventionen in ganz Asien zur Wehr setzten.
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Anlässlich der Kapitulation
der japanischen Truppen in Taiwan nach der Niederlage im Zweiten
Weltkrieg fand am 25. Oktober 1945 in der Taipeh-Versammlungshalle
(heute Zhongshan-Halle) eine Feier zur Rückgabe Taiwans an die
Republik China statt. (Foto mit freundlicher Genehmigung der
Academia His-torica) |
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Auch nach der Niederlage Japans und der Rückgabe der okkupierten chinesischen Gebiete inklusive Taiwans war die Verwirklichung der Hoffnungen auf Frieden, Wohlstand und soziale Wohlfahrt für das gesamte Volk erschwert durch die folgenden Jahre des Bürgerkriegs und die kriegsbedingte Hyperinflation. Zurückblickend ist dennoch festzustellen, dass die Republik China zwischen 1912 bis 1949 eine republikanische Regierungsform etablieren konnte, dass ein nationales Parlament gewählt und eine Verfassung verabschiedet wurde, die bis heute in Kraft ist.
Infolge des Bürgerkrieges in Festlandchina wurde die Regierung der Republik China 1949 nach Taiwan verlagert. Erst hier konnten die Gründungsideale in dem von ihr beherrschten Gebiet verwirklicht werden. Zuerst wurden freie Wahlen der regionalen Verwaltungen ermöglicht, und im Zuge der Aufhebung des Kriegsrechts 1987 fielen auch die Beschränkungen hinsichtlich Printmedien und der Bildung politischer Parteien.
In den anschließenden Jahren wurde die Verfassung der Republik China weiter reformiert. Sämtliche Parlamentssitze wurden neu gewählt, und 1996 fand die erste Direktwahl des Staatspräsidenten statt. Bereits zwei Mal, in den Jahren 2000 und 2008, gab es einen friedlichen Wechsel der Regierungsparteien. Dr. Sun Yat-sens Traum von einer modernen demokratischen Republik ist damit Wirklichkeit geworden.
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Am 7. Oktober 1986 erklärte
der damalige Präsident der Republik China Chiang Ching-kuo (links)
in ei-nem Interview mit Katharine Graham, der Herausgeberin der
Washington Post, dass die Aufhebung des Kriegsrechts bevorstehe.
Sein Sekretär für englische Sprache, Ma Ying-jeou (Mitte) beschrieb
diesen Mo-ment später als „elektrisierend“. (Foto mit
freundlicher Genehmigung der Academia Historica) |
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Dank erfolgreicher wirtschaftspolitischer Maßnahmen konnte auch Dr. Suns Vision einer öffentlichen Wohlfahrt realisiert werden. Zu diesen Maßnahmen gehörte eine Bodenreform, die „Zehn Großen Infrastrukturprojekte“, die Einführung der Schulpflicht im öffentlichen Bildungswesen und eine Industriepolitik, die sowohl das Wachstum kleinerer und mittlerer Unternehmen förderte als auch Triebfeder für Taiwans weltbekannten Hightech-Sektor war.
Das Ergebnis dieser Bemühungen war das „taiwanische Wirtschaftswunder“, durch das die ehemals agrarbasierte Wirtschaft in eine Dienstleistungs- und wissensbasierte Wirtschaft umgewandelt wurde. Durch Einführung der staatlichen Krankenversicherung und der Bürgerrente wurde die Fürsorge des Staates verbessert. Die Rechte von Frauen, Kindern, Ureinwohnern und Behinderten unterliegen speziellem Schutz. Die Republik China hat zudem den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte unterzeichnet. Die grundlegenden Ideale eines Staates, der „das Volk repräsentiert, vom Volk beauftragt wurde und für das Volk arbeitet“ wurden in der Republik China somit am Ende der ersten hundert Jahre ihres Bestehens verwirklicht.
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Die im Jahre 2010 aus 1,5
Millionen recycelten Plastikflaschen errichtete Struktur der EcoARK
ist weltweit einmalig. Das Gebäude weist auf die Wichtigkeit grüner,
CO2-armer Bauweise hin und ist ein Symbol für die globalen
Anstrengungen, die mit den Begriffen Reduzierung, Wiederverwendung
und Recycling ver-bunden sind. (GA Photos Group) |
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Aktuelle Entwicklungen
Aber natürlich steht die Geschichte nicht still. Seit Amtsantritt im Mai 2008 hat die Regierung unter Präsident Ma Ying-jeou Programme und Gesetze auf den Weg gebracht, um folgende Ziele zu erreichen: Förderung hochmoderner und aufstrebender Industrien, um die Wirtschaft auf ein neues Niveau zu heben; Verschlankung des Regierungsapparates und besseres Eingehen auf die Bedürfnisse des Volkes; Unterstützung der regionalen Verwaltungen bei der Konsolidierung ihrer Ressourcen und Bereitstellung eines besseren Services; Korruptionsbekämpfung; und Fürsorge gegenüber benachteiligten Bevölkerungsgruppen.
Der Regierung von Präsident Ma ist es gelungen, die ehemals angespannten Beziehungen zwischen Taiwan und Festlandchina zu verbessern und die institutionalisierten Gespräche zwischen beiden Seiten wiederaufleben zu lassen. Präsident Ma Ying-jeou befürwortet zudem eine „flexible Außenpolitik“, bei der die beiden Seiten der Taiwanstraße nicht länger um diplomatische Verbündete konkurrieren, sondern Taiwan substanzielle und sinnvolle Teilnahme an internationalen Organisationen und Behörden ermöglicht wird.
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Ein Flugzeug aus
Festlandchina landet am 4. Juli 2008 auf dem Songshan-Flughafen von
Taipeh. An Bord ist die erste Gruppe chinesischer Touristen, die mit
einem Direktflug nach Taiwan gekommen ist. (Yeh Ming-yuan) |
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Bis Dezember 2010 wurden im Rahmen der Gespräche zwischen der taiwanischen „Stiftung für den Austausch über die Taiwanstraße“ (Straits Exchange Foundation, SEF) und ihrem festlandchinesischen Pendant, der „Vereinigung für die Beziehungen über die Taiwanstraße“ (Association for Relations Across the Taiwan Straits, ARATS) bereits 15 bahnbrechende Übereinkommen erzielt, die zu einer spürbaren Verbesserung in den Bereichen Transport, Schifffahrt, Kriminalitätsbekämpfung, Personenreiseverkehr und wirtschaftlicher Austausch geführt haben.
Führende Politiker weltweit haben diese neue Zusammenarbeit, die sich positiv auf die Stabilität der Region auswirkt, begrüßt. Im Februar 2009 hat zum Beispiel das Europäische Parlament eine Resolution angenommen, in der die „signifikante Abnahme der Spannungen in der Taiwanstraße und der fortgeführte Dialog zwischen Peking und Taipeh begrüßt“ werden. Im Herbst 2010 erklärte Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong, die Unterzeichnung des „Rahmenabkommens über wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße“ (ECFA) werde die taiwanisch-chinesischen Beziehungen langfristig intensivieren und dabei helfen, gegenseitige Missverständnisse und Spannungen zu verringern. Die Annäherung zwischen beiden Seiten habe zudem positive Auswirkungen auf die gesamte Region. In einer Rede im US-Außenministerium begrüßte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton im Januar 2011 den „historischen Abschluss“ von ECFA und rief zur Ausweitung des Dialogs und des Austauschs in der Taiwanstraße auf.
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Zum ersten Mal seit dem
erzwungenen Rückzug der Republik China aus den Vereinten Nationen
1971 durfte im Mai 2009 ein taiwanischer Repräsentant als Beobachter
an Besprechungen einer UNO-Fachorganisation, der
Weltgesundheitsversammlung (WHA), teilnehmen. (Foto mit
freundlicher Genehmigung des Gesundheitsministeriums) |
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Ausblick auf die nächsten hundert Jahre
In seiner Neujahrsansprache 2011 benannte Präsident Ma Ying-jeou Ziele, welche die Nation im nächsten Jahrhundert ihres Bestehens anstreben sollte. So solle sich die Republik weiterentwickeln als lebendige Verkörperung der besten kulturellen Traditionen Chinas und der westlichen Welt, beseelt von einem aus der geografischen Lage Taiwans resultierenden ozeanischen Geist. Gleichzeitig müsse Taiwan ein demokratisches Vorbild sein, das Völker weltweit inspiriert. Die Menschen Taiwans sollten ihre Talente nutzen, um eine globale Innovationsmacht zu werden. Die Republik China sollte bewundert werden für ihre freundschaftliche Offenheit gegenüber der ganzen Welt und ihre Bemühungen um das Wohlergehen der gesamten Menschheit.
Das sind freilich erhabene Ideale und Ziele, aber die Menschen der Republik China haben gezeigt, dass sie selbst die großen Schwierigkeiten bei der Gründung ihres Landes vor 100 Jahren überwinden konnten. Sie besitzen die Zuversicht und Mittel, um diese Ziele zu erreichen und in ein glänzendes neues Jahrhundert im Bestehen von Asiens erster und bemerkenswertester Republik zu schreiten.