Ein neues Weltgesundheits-Szenario —
Lasst Taiwan Teil der globalen Lösung sein
Yeh Ching-chuan
Gesundheitsminister der Republik China (Taiwan)

XX. April 2009

Experten für öffentliche Gesundheit und Mediziner in Taiwan sehnen seit langem den Tag herbei, an dem Taiwan in die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) zurückkehrt, um direkt und mit höchster Effizienz Beiträge zu den internationalen Gesundheitsanstrengungen zu leisten. Nun ist dieser Traum Wirklichkeit geworden, denn Taiwan wird unter dem Namen „Chinese Taipei“ als Beobachter an der Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) teilnehmen und sich Seite an Seite mit den anderen Ländern in dieser internationalen Organisation darum bemühen, die Gesundheit von Menschen in der ganzen Welt zu fördern.

Seuchen machen vor Grenzen nicht Halt

Angesichts des anhaltenden Wachstums beim globalen Handel, Fremdenverkehr und Geschäftsreisen erscheinen staatliche Grenzen beim Umgang mit Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit zunehmend irrelevant, daher müssen alle Nationen für das Allgemeinwohl an einem Strang ziehen. Jüngste Bemühungen, Grippeviren unter Kontrolle zu halten und Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten, dienen als konkrete Beispiele. Im November 2005 befielen Fälle von Vogelgrippe Menschen in Taiwans Nachbarländern. Transnationale Wanderungsbewegungen von Zugvögeln während der Wandersaison bergen die Gefahr, das hochgradig pathogene Vogelgrippe-Virus über seinen ursprünglichen Herkunftsort hinaus zu verbreiten, denn Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass Zugvögel in der Regel Träger des Virus sind. Jedes Jahr fliegen fast 1,25 Millionen Vögel von 351 Zugvogelarten vom chinesischen Festland, Japan und Korea aus südwärts über Taiwan, bevor sie ihre Reise zu den Philippinen, nach Indonesien, Malaysia und Australien fortsetzen. Da Taiwan ein Ort ist, den Zugvögel passieren müssen, ist das Risiko eines Vogelgrippe-Ausbruchs erheblich.

Forschung unseres Ministeriums deutet darauf hin, dass bis zu 5,3 Millionen Menschen infiziert werden könnten, sollte sich ein Ausbruch von Vogelgrippe mit Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch ereignen, und die Zahl der Todesopfer könnte 14 000 erreichen. Daher sind Taiwans Gesundheitsbehörden jedes Jahr, wenn die Wandersaison der Zugvögel beginnt, in Alarmbereitschaft, um das Auftreten der Krankheit auf der Insel zu verhindern. Glücklicherweise ist Taiwan bis dato von einem Ausbruch der hochgradig ansteckenden Vogelgrippe verschont geblieben, und es sind auch keine Krankheitsfälle bei Menschen hier aufgetreten. Wirksame Vorbeugung gegen Vogelgrippe erfordert, dass verschiedene Länder eng zusammen arbeiten und miteinander kommunizieren, um die epidemische Situation und die Ausbreitung von Fällen im Auge zu behalten. Informationen zwischen Ländern über den Zustand der Virenübertragung und internationalen technischen Beistand zu teilen ist bei der globalen Seuchenverhütung eindeutig von immenser Bedeutung.

Entsprechend besteht dringender Bedarf für alle Länder, zusammenzuarbeiten und Informationen auszutauschen, um eine Ausbreitung des diesjährigen neuen H1N1-Virus zu verhindern. Als Mitglied der internationalen Gemeinschaft wird Taiwan sich eng an den weltweiten Anstrengungen zur Seuchenverhütung beteiligen. Taiwan wird mit allen Ländern Informationen austauschen, sich gemeinsam darum bemühen, die Übertragung und Ausbreitung der Krankheit zu verhüten, aktiv an der Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffes arbeiten sowie einen Vorrat angemessener Materialien für medizinische Behandlung anlegen, um gegen einen potenziellen Krankheitsausbruch gewappnet zu sein. Falls nötig, wird Taiwan außerdem anderen Ländern bei der Seuchenverhütung helfen, die erforderlichen Ressourcen zur medizinischen Behandlung bereitstellen und im Einklang mit der Welt daran arbeiten, einem Vordringen des Grippevirus entgegenzuwirken.

Ein anderes Beispiel betrifft Nahrungsmittelsicherheit, die zu einem immer ernsteren Problem wird. Schnelle Transportmöglichkeiten und moderne Haltbarkeitstechniken gestatten verschiedenen Lebensmittelsorten, Beschränkungen bei Entfernung zu überschreiten, so dass sie auf der ganzen Welt verzehrt werden können. Fertige Nahrungsmittelprodukte sind nun allgemein im Handel, und ihre Zutaten können aus jedem Teil der Welt stammen. Da es immer komplizierter wird, die Quellen der Zutaten zurückzuverfolgen, ist Nahrungsmittelsicherheit immer schwieriger zu behandeln und zu kontrollieren. Nur durch schnelle Zirkulation genauer Informationen und enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Beobachtung und Kontrolle solcher Nahrungsmittel können alle Länder mit der Sicherheitssituation für jede Nahrungsmittelart Schritt halten und, sobald eine Gefahr entdeckt wird, die Quelle sowie das Lieferziel der belasteten Artikel ausfindig machen. Modernes Nahrungsmittelsicherheits-Management unterscheidet sich von traditionellen Methoden — Vorbeugung macht konzertierte Zusammenarbeit von Ländern untereinander notwendig.

Wie andere Länder steht auch Taiwan diesen wichtigen Fragen für öffentliche Gesundheit gegenüber. Angesichts der Herausforderungen in einer globalisierten Welt wird Taiwan aktiv an der Arbeit der WHO teilnehmen. An dem internationalen Gesundheitssystem unter der WHO beteiligt zu sein wird die Gesundheit und Sicherheit von Taiwans 23 Millionen Bürgern gewährleisten.

Beiträge, die Taiwan zur globalen Gesundheit leisten kann

Im Zuge des rasanten Wirtschaftswachstums hat Taiwan ein herausragendes Gesundheitssystem aufgebaut. Die unabhängige Analyse- und Prognose-Institution Economist Intelligence Unit stufte Taiwan im Hinblick auf Leistung des Gesundheitssystems weltweit auf Rang zwei ein, was die erkennbaren Leistungen der Insel bei Gesundheit unterstreicht. Vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart hat Taiwan eine eindrucksvolle Liste von Errungenschaften im Gesundheitsbereich erbracht, etwa Ausrottung von Pocken, Cholera, Malaria und Kinderlähmung; ein umfassendes Impfprogramm gegen Hepatitis B; und Aufbau einer allgemeinen staatlichen Krankenversicherung. Dank der Gelegenheit, nun als Beobachter an der WHA teilzunehmen, ermöglicht die Rückkehr Taiwans in die internationale Hauptströmung es dem Land, seine Erfahrungen mit anderen Ländern zu teilen und Beiträge zur Gesundheit von jedermann in aller Welt zu leisten.

Taiwan hat Resultate bei der Bekämpfung von Malaria in São Tomé und Príncipe vorzuweisen, und außerdem wurde auf den Salomoneninseln und den Marschallinseln jeweils ein Taiwan-Gesundheitszentrum errichtet, wo medizinische Behandlung und öffentliche Gesundheitsdienste geboten werden. Taiwan ist nur zu gerne bereit, anderen Ländern bei der Lösung unterschiedlicher Probleme medizinischer und gesundheitlicher Berufe zu helfen, etwa Planung medizinischer Vernetzung, Verhütung und Behandlung ansteckender Krankheiten, Krankenversicherung, medizinische Forschung, humanitäre Hilfe nach Katastrophen sowie Vorbeugung gegen Gefahren durch Tabakmissbrauch. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um Beiträge zur internationalen Gemeinschaft zu leisten und dabei zu helfen, die Gesundheit der Menschen in der ganzen Welt zu verbessern.

Konklusion

Diese pragmatische und flexible Einstellung hat die Weltgemeinschaft positiv bestätigt, als Taiwan in diesem Jahr Beobachter in der WHA wurde. Taiwans Beteiligung in der WHO wird ein großer Schritt vorwärts für die globalen Menschenrechte des Gesundheitsbereichs sein und die letzte Lücke im internationalen Gesundheits-Sicherheitsnetz schließen. Wir hoffen, durch eine angemessene Methode bei zukünftigen WHO-Veranstaltungen, Mechanismen und Konferenzen eine größere Beteiligung zu erreichen, und wir freuen uns auf Taiwans Beteiligung, die es uns gestatten wird, wesentliche Beiträge zur Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt zu leisten.

Taiwan ist bereit, seine Leistungen und Erfahrungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit mit der Welt zu teilen, und wir geloben, dass wir in Zukunft aktiv jede politische Maßnahme der WHO einhalten werden, an den Veranstaltungen der Organisation teilnehmen und unser Äußerstes tun, um Beiträge zu leisten.

 

 
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