MALEREI
Farbiges Wasser in einer Kristallflasche
von Jim HWANG
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Deng Guo-qing
Deng Guo-qing
Der bekannte Aquarellmaler
und Professor an der National Taiwan University of the Arts (NTUA) Hsieh Ming-chang
erinnert sich noch an den Augenblick, als er vor rund drei Jahrzehnten zum ersten
Mal das Aquarell mit dem Titel Landschaft im spanischen Toledo des Malers
Deng Guo-qing sah. "Ich stand einfach nur da und konnte zehn Minuten lang meinen
Blick nicht abwenden", rekapituliert er. "Schichten transparenter Farben
erweckten die Landschaft zum Leben. Es war wie farbiges Wasser in einer Kristallflasche."
Deng, der unter dem Künstlernamen Ge Qing malt, kam 1931 als Kind einer prominenten Familie in Shaoyang in der festlandchinesischen Provinz Hunan zur Welt. Er fing schon als Kind an zu malen und lernte bei Chen Baiyi, einem Maler in seiner Heimatstadt. "Mein Vater glaubte, als Künstler habe man keine Zukunft, und er versuchte mich zu überreden, einen der drei Schmuckläden der Familie zu übernehmen", erzählt Deng. "Ich gab aber nicht nach und ging meinen eigenen Weg."
Deng kam 1949 nach Taiwan und schrieb sich am Fu Hsing Kang College ein, einer Militärschule, dessen Name etwa "College für politische Kriegführung" bedeutet. Er studierte dort Kunst im Hauptfach und erlernte den traditionellen britischen Stil mit "transparenten" Wasserfarben von Meistern wie Lim Kac-keong (1901-1992).
Beiguan-Seeblick
1999, 38 x 56 cm
Deng erläutert, dass anders als bei der Malerei mit Öl oder Acryl, wo die
Farbe in der Regel da bleibt, wo man sie aufträgt, und beim Trocknen im Großen
und Ganzen ihre Form behält, Wasser beim Aquarellmalen ein aktiver und komplizierter
Partner ist, denn Wasser verändert im nassen Zustand sowohl die Aufnahmefähigkeit
als auch die Oberfläche des Papiers, und beim Trocknen verändert es die
Umrisse und die Erscheinung der Farbe. "Aquarell als Kunstform kann man leicht
erlernen, aber nur schwer meistern", philosophiert er. "Die größte
Herausforderung besteht darin zu lernen, das Verhalten des Wassers vorauszusehen
und auszunutzen, anstatt zu versuchen, es zu kontrollieren."
Zwar gestatten die transparenten Aquarellfarben das Durchscheinen vorgezeichneter Linien, und man kann Farben auf dem Papier miteinander vermischen, doch stellen sie größere Anforderungen an den Maler, eben weil vorherige Schichten nicht überdeckt werden können. Da man frühere Versuche nicht mal eben so überpinseln kann und weil das Papier saugfähig und empfindlich ist, kann man die Farbe nicht einfach abkratzen wie Ölfarbe von Leinwand. "Fehler" sind also im Prinzip kaum zu korrigieren. Obwohl der britische Aquarellstil wegen dieser Herausforderungen nur schwer zu beherrschen ist, ist er weiterhin der verbreitetste Malstil in Taiwan. Dengs Werke belegen, dass er den Stil gemeistert hat und die schwierigen Aspekte zu seinem Vorteil nutzen kann.
Auf
dem Heimweg
2001, 38 x 56 cm
Die meisten Bilder von Deng stellen Landschaften oder ländliche Dörfer
dar. Deng übernahm die Methode des britischen Realismus und hält sich bei
Farbe und Struktur an westliche Vorgaben, aber er versucht auch, einige chinesische
Merkmale einzufügen. Sein Können bei chinesischer Tuschemalerei und Kalligrafie
tritt in Werken zutage wie Heiße Quellen Jhiben oder Auf dem Heimweg,
doch seine Kunst geht über den technischen Aspekt hinaus. "Aquarell ist
ein westlicher Stil", definiert er. "Wenn ein Chinese diesen Stil anwendet,
sollte er einen Aspekt der chinesischen Kultur wie Philosophie oder Kulturerbe ausdrücken."
Im Laufe der Jahre wurde Deng mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem dem "Armed Forces Golden Statue Award for Literature and Arts" und dem von der Malerei-Gesellschaft der Republik China vergebenen "Gold Noble Award". Seine Werke sind bei Sammlern und Museen begehrt. Überraschenderweise hat Deng seit seiner ersten Ausstellung im Jahre 1966 aber nicht mehr als ein Dutzend Einzel-Ausstellungen veranstaltet. Einen großen Teil seiner Zeit verbringt er damit, die Technik und die Philosophie hinter Aquarellmalerei als Lehrer an nachfolgende Generationen weiterzugeben. "Er teilt alles, was er weiß, mit seinen Schülern", schrieb Hsieh Ming-chang von der NTUA im Vorwort zu Lob für die Erde: Deng Guo-qings farbenprächtige Welt, einem jüngst erschienenen Buch mit Fotos von Dengs Arbeiten. "Es könnte etwas sein, wofür er ein Leben lang brauchte, um dahinterzukommen, oder auch nur eine Vorführung darüber, wie eine schöne Farbe durch Mischen dieser Farbtube mit jener erreicht werden kann."
Der
Jinbian-Fluss
1998, 77,5 x 56 cm
Wenn er sich nicht gerade im Unterrichtsraum aufhält, ist Deng meistens bei
der Arbeit an einem Gemälde zu finden, wobei er die Natur mit Farbtönen
lobpreist, die so lebhaft sind wie farbiges Wasser in einer Kristallflasche.
(Deutsch von Tilman Aretz)
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Deng Guo-qings Werke sind vom 12. Juli bis 19. September 2008 in der Galerie der
Taiwan Soka Association in Hsinchu ausgestellt. Für mehr Information besuchen
Sie bitte die chinesischsprachige Website www.twsgi.org.tw.