SPORT

Ehrwürdige Transpiration

Taiwans Regierung fördert nicht nur Spitzensportler für internationale Wettkämpfe, sondern bemüht sich auch energisch um die Verbesserung der körperlichen Fitness der taiwanischen Öffentlichkeit.

von Jim HWANG

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Taiwans Gewichtheberin Chen Wei-ling errang bei der Olympiade in Beijing eine Bronzemedaille. (Foto: Central News Agency)


Die 15 000 Zuschauer im Douliou-Baseballstadion im zentraltaiwanischen Douliou erlebten am Abend des 12. März dieses Jahres direkt den Unterschied, live im Stadion bei einem Baseballspiel dabei zu sein oder sich die Begegnung im Fernsehen anzuschauen. Jubel brach aus, als Taiwans Nationalmannschaft Australien im Qualifikationsspiel für die Endausscheidung der Beijing-Olympiade besiegte. Zwar hatte Taiwan in dem Turnier noch zwei Spiele zu absolvieren, doch der 5:0-Sieg über Australien sicherte dem taiwanischen Baseballteam die Qualifikation für die 29. Olympischen Sommerspiele, die am 8. August in Beijing begannen und wo Taiwans Spieler unter dem Namen "Chinese Taipei" aufliefen. "Wir spielten mit dem größten Kampfgeist, Schwung und voller Hoffnung", lobte Team-Manager Hung Yi-chung die Mannschaft nach dem Spiel. "Ich bin sehr froh, dass wir nach diesem großen Sieg nach Beijing fahren können."

Das Qualifikationsturnier in Douliou war die letzte Chance für die taiwanische Baseballmannschaft, sich für die Olympiade zu qualifizieren, und die Fähigkeit der Spieler, sich einen der drei olympischen Plätze zu sichern, war für viele eine Überraschung. Da einige der besten Spieler fehlten und das Team viele junge und unerfahrene Spieler enthielt, galten die Baseballer von Chinese Taipei nicht als aussichtsreicher Kandidat. Dennoch war das Stadion voller Fans mit Gerät zur Erzeugung der Geräuschkulisse, Staatsflaggen und Bannern, die ihr Team anfeuerten und so für einen starken Heimvorteil sorgten. Und wieder einmal machten die taiwanischen Spieler ihr Publikum stolz, so wie es in zahlreichen internationalen Turnieren seit Ende der sechziger Jahre immer wieder geschah. Die neue Aufgabe -- eine Goldmedaille nach Hause zu bringen -- ist indes äußerst schwierig.

Baseball-Experte Tseng Wen-cheng erläutert, dass die Olympiade in Beijing wahrscheinlich die letzte Gelegenheit ist, dass Baseball-Athleten sich bei Olympischen Spielen messen. Das Internationale Olympische Komitee (International Olympic Committee, IOC) hat seine Absicht angekündigt, die Disziplin bei zukünftigen Spielen zu streichen. Es ist daher wahrscheinlich, dass alle qualifizierten Länder ihre besten Mannschaften losschicken, damit sie um die letzten olympischen Baseball-Medaillen kämpfen können. Trotzdem hat Taiwan immer noch eine Chance auf olympisches Gold beim Baseball. "Die Olympiade ist keine lange Saison, wo Teams mehrere Male aufeinander treffen und mit den anderen Mannschaften vertraut sind", enthüllt Tseng. "Es ist vielmehr ein kurzes Turnier, wo man nur ein einziges Mal auf die gegnerische Mannschaft trifft, deswegen ist alles möglich." Darüber hinaus hat die festlandchinesische Baseballmannschaft nur deswegen einen Platz unter den acht Mannschaften des Turniers, weil Festlandchina der Gastgeber ist. Wenn die festlandchinesische Mannschaft ausscheidet, ist Tseng zuversichtlich, dass Festlandchinas 1,3 Milliarden Bürger fortan Chinese Taipei unterstützen werden.

Endziel Gold

Die Regierung hofft, dass der Erfolg von Taiwans Baseball-Mannschaft bei der Olympia-Qualifikation und die Präsenz taiwanischer Sportler bei der Olympiade in Beijing insgesamt mehr Menschen dazu veranlassen werden, sich sportlich zu betätigen. Man schätzt, dass vor vier Jahren etwa 1,7 Millionen Taiwaner die Zeremonie zur Medaillenverleihung an Selena Chen und Chu Mu-yen anschauten, die bei den 28. Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen die ersten Goldmedaillen für Taiwan überhaupt gewonnen hatten. Bei der Zeremonie wurde Taiwans Nationalbanner-Hymne gespielt, und Chen brach während des Liedes, das auch in Schulen im ganzen Land gespielt wird, vor Glück in Tränen aus, und die Schulkinder des Landes hatten nun zwei Sporthelden, zu denen sie aufschauen und denen sie nacheifern können.

In der ganzen Welt bemühen sich Regierungen darum, Veranstaltungen wie die Olympiade dazu zu nutzen, mehr Menschen an der Basis zu sportlicher Betätigung anzuregen. Die Verbindung zwischen vielbeachteten Wettkämpfen und Breitensport ist erkennbar in zwei der wichtigsten Rollen des Rates für Sportangelegenheiten (Sports Affairs Council, SAC), der höchsten offiziellen Sportbehörde in Taiwan -- ad eins, Athleten optimal auf internationale Wettkämpfe vorzubereiten, und ad zwei, Sport bei allen Bürgern zu fördern, um die körperliche Fitness zu erhöhen.

Die beiden Goldmedaillen von Chen und Chu bei den Spielen in Athen waren ein riesiger Ansporn für einheimische Athleten und auch für Taiwans Öffentlichkeit. In einem später erschienenen Bericht mit dem Titel Die erfolgreiche Entwicklung von Taekwondo in Taiwan von Lin Jie-shin von der I-Shou University im südtaiwanischen Landkreis Kaohsiung hieß es, dass "dank des erfolgreichen Abschneidens des taiwanischen Taekwondo-Teams bei internationalen Spielen ... die Zahl der Taekwondo-Schüler rasant gestiegen ist".

Chen und Chu wurden in Anerkennung ihrer herausragenden athletischen Leistungen mit Taiwans Orden des Brilliantsterns (fünfte Klasse) geehrt. Es war das erste Mal, dass die Regierung Sportler mit dieser Auszeichnung bedachte. "Wir haben wesentliche Fortschritte bei unserer athletischen Entwicklung und dem Streben nach Tüchtigkeit im Sport gemacht", behauptete der damalige Staatspräsident Chen Shui-bian bei der Ordensverleihungszeremonie. "In der Zukunft wird die Regierung auch weiterhin die Leibeserziehung im Inland fördern und Sporteinrichtungen verbessern, um eine neue Generation von Starsportlern heranzubilden." Der damalige Staatschef fuhr fort, er hoffe, die Nation würde bei der Olympiade in Beijing die Zahl ihrer Goldmedaillen auf sieben steigern können.

Um das Ziel von mehr Goldmedaillen zu erreichen, startete der SAC im Jahre 2005 den "Goldmedaillenplan Herausforderung 2008". Das Projekt stellte bei der Vorbereitung auf die Olympiade 2008 für das intensive Training talentierter junger Athleten in 13 Sportarten und für erfahrene Wettkämpfer, die bei internationalen Wettkämpfen siegreich waren, 1,08 Milliarden NT$ (22,5 Millionen Euro) zur Verfügung. Der SAC hilft außerdem Lokalverwaltungen bei der Einrichtung von Trainingszentren, um sportliche Grundlagen zu vermitteln, wobei den Sportarten im Goldmedaillenplan besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Überdies hat der SAC Bestimmungen verfasst, die es jungen männlichen Athleten, die bei wichtigen inländischen oder internationalen Wettkämpfen gut abschneiden, erlauben, als Alternative zum Pflicht-Wehrdienst sportbezogene Posten zu bekleiden, damit ihr Training nicht unterbrochen wird.

Taiwans Stärke im Taekwondo wurde bei der Olympiade in Beijing bestätigt, als Sung Yu-chi (links) sich Bronze erkämpfte. (Foto: Central News Agency)


Stolze Ziele

Der ehemalige SAC-Minister Yang Jong-her sagte desweiteren, Taiwan habe die Chance, bis zu sieben Goldmedaillen zu erringen, besonders in den Disziplinen Taekwondo, Gewichtheben, Bogenschießen und Tennis. Allerdings ist nicht jeder so optimistisch. Bei der Olympiade 2004 in Athen kämpften Sportler aus 202 Ländern um 301 Goldmedaillen. Von diesen teilten die acht traditionell stärksten Länder -- darunter China, die USA, Russland, Deutschland und Frankreich -- 160 Medaillen unter sich auf, während für die anderen 194 Länder 141 Goldmedaillen übrig blieben. In Beijing wird die Situation ähnlich sein. "Man kann sieben Medaillen als Ziel benennen, als Vision oder was auch immer, aber offen gesagt, es ist einfach unmöglich", urteilt Peng Tai-lin, Direktor der Abteilung für Wettkampfsport im SAC und Berater der Olympiamannschaft Chinese Taipei 2004. "In Wirklichkeit denke ich, wir haben eine Chance 50 zu 50 für eine Goldmedaille."

Diese pessimistische Prophezeiung soll aber nicht heißen, dass die Athleten von Chinese Taipei sich nicht für mehr einsetzen werden. Das Ehrgefühl ist sicherlich die wichtigste Motivation, doch eine hübsche finanzielle Belohnung spielt gleichfalls eine Rolle dabei, Wettkämpfer dazu zu treiben, schneller zu rennen und höher zu springen. Gemäß den geltenden Bestimmungen stehen den taiwanischen Medaillengewinnern Belohnungen in Höhe von 12 Millionen NT$ (250 000 Euro) für Gold, 7 Millionen NT$ (145 830 Euro) für Silber und 5 Millionen NT$ (104 160 Euro) für Bronze zu, aber sie können sich stattdessen die Belohnung für den Rest ihres Lebens auch als monatliches Stipendium von 75 000 NT$ (1562 Euro) bei Gold, 38 000 NT$ (791 Euro) bei Silber und 25 000 NT$ (520 Euro) bei Bronze auszahlen lassen. Das Geld bietet die Möglichkeit finanzieller Sicherheit, um Athleten anzuspornen, mehr Zeit in ihren Sport zu investieren. Für die meisten taiwanischen Sportler ist finanzielle Sicherheit -- oder vielmehr das Fehlen derselben -- ein ernstes Problem.

Nach den Worten von Chiu Yung-shen, einem Leichtathletiktrainer in einer Oberschule in Taipeh und ehemaligem Generalsekretär des Formosa-Sporttrainerverbandes, gibt es generell zwei Haupt-Optionen für Sportler, die ihre aktive Wettkampfkarriere beendet haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen -- sie können Trainer werden, oder sie müssen ein zweites Fachgebiet entwickeln. "Das Problem ist, dass Athleten, die so viele Jahre ihrem Sport gewidmet haben, nicht wirklich genug Zeit und Energie übrig haben, um ein zweites Fachgebiet zu entwickeln", seufzt er. "Die Tätigkeit als Trainer wiederum ist keine stabile Arbeit, und die Nachfrage des Marktes dafür ist nicht so hoch." In seinen elf Jahren im Verband bis Novem ber 2007 versuchte Chiu, die Arbeitsbedingungen für Trainer zu verbessern, und im Juli 2007 wurden endlich Bestimmungen überarbeitet, so dass Trainer die gleichen Konditionen erhalten wie andere Schullehrer und Mitglieder des Lehrkörpers. Laut Chiu erweist sich die Umsetzung der neuen Bestimmungen indes als problematisch, da die lokalen Bildungsbehörden versuchen, das Gesetz zu umgehen, um Geld zu sparen.

Gute Gewohnheiten

Während Trainer und Spitzensportler beim Streben nach besseren Leistungen fleißig transpirieren, interessiert sich Otto Normalbürger wohl mehr für Sport, um ein paar Pfunde abzuspecken oder einfach um fit zu bleiben. "Wenn es um Gesund heit geht, ist Vorbeugen immer besser als Behandlung", philosophiert der ehemalige SAC-Minister Yang. "Angesichts unseres steigenden Durchschnittsalters und der modernen Gesellschaft mit ihren vielen ungesunden Begleiterscheinungen besteht die beste Prävention darin, den Menschen die Gewohnheit zu verordnen, regelmäßig Sport zu treiben."

So sieht es auch der ehemalige Tischtennis-Champion Chen Yin-lie, der Anfang der siebziger Jahre für Taiwans Nationalmannschaft spielte. Eine seiner herausragendsten Leistungen erbrachte er 1972, als er und drei Teamkollegen innerhalb von zwei Wochen alle 49 Spiele auf ihrer "Pingpong-Diplomatie"-Reise durch neun Länder in Mittel- und Südamerika gewannen. "Ich fing als Teenager an zu spielen, vor allem zum Spaß, und plötzlich war es für das Vaterland", erinnert er sich.

Chen ist inzwischen über 70. Zwar bestreitet er heute so gut wie keine Wettkämpfe mehr außer gelegentlich ein paar Spiele mit Senioren, doch wegen seines Hintergrundes als Sportler und seiner jahrelangen Arbeit als Trainer gewöhnte er sich an, regelmäßig Sport zu treiben. Jeden Morgen, wenn das Wetter es zulässt, macht er einen Spaziergang zu dem kleinen Hügel unweit seiner Wohnung im Süden von Taipeh. "Da ich sehe, dass immer mehr von meinen Freunden an Gebrechen unterschiedlicher Art leiden, fange ich an, den Segen von Sport und gewohnheitsmäßigen Leibesübungen wirklich zu schätzen", sagt er.

Regierungen rund um den Erdball streben danach, die körperliche Fitness und Lebensqualität zu verbessern, indem sie die Menschen ermuntern, so wie Chen Sport zum Bestandteil ihres Alltags zu machen. In Taiwan wurden dabei jedoch nur begrenzte Erfolge verzeichnet, obwohl die Regierung seit Mitte der sechziger Jahre die Bürger zum Sport anhält. Einer der Gründe dafür ist vielleicht, dass in der Vergangenheit viele Jobs mit körperlicher Arbeit verbunden waren, deswegen war die Arbeit selbst schon Sport genug. Doch während in vielen Bereichen Maschinen die menschliche Arbeitskraft verdrängt haben, wurde die frühere körperliche Arbeit nicht durch adäquates Sporttreiben ersetzt. Erst ab dem Jahr 1997, als der SAC eingerichtet wurde, um politische Maßnahmen aus dem Bereich Sport und körperliche Fitness zu beaufsichtigen und zu verwalten, begann die Lage sich allmählich zu verbessern. Vor der Entstehung des SAC gehörten Sportangelegenheiten zum Ressort der Abteilung für Leibeserziehung im Bildungsministerium, die heute nur noch für Schulsport zuständig ist.

In Bewegung kommen

Die administrative Umgestaltung hatte unter anderem den Nutzen, dass dem SAC als Behörde im Ministeriumsrang mehr Geld zur Verfügung stand, um an Angelegenheiten aus dem sportlichen Bereich zu arbeiten. Zwar kann man mit Geld keine Gesundheit kaufen, doch manchmal kann man damit Menschen dazu "bestechen", dass sie ihre Füße bewegen oder ihre Arme ein wenig ausstrecken. Ein paar Monate nach seiner Gründung ließ der SAC sein erstes größeres Projekt mit der Bezeichnung "Sonnenschein, Gesundheit" vom Stapel, das die Öffentlichkeit zu sportlicher Betätigung verleitete, indem man sie durch kleine Anreize wie T-Shirts oder anderen Schnickschnack dazu brachte, an den Veranstaltungen teilzunehmen.

Auf der Gemeinde-Ebene organisierten gemeldete Sportklubs, Gruppen oder Verbände die meisten dieser Aktivitäten, und diese gemeinnützigen Privatorganisationen konnten sich beim SAC um Finanzierung für Veranstaltungen bemühen. Neben der Einführung neuer Sportarten wie Wassersport, Inline-Skating, Strandvolleyball und Radfahren schult der Rat auch Lehrer von Gemeinde- und Privatorganisationen, und es wird zudem an der Verbesserung von Einrichtungen gearbeitet. Die unter dem "Sonnenschein, Gesundheit"-Programm geförderten Initiativen waren zahlreich und vielfältig, und im Rahmen des Planes beauftragte der SAC das China-Jugendkorps und andere Sportverbände, über 6000 sportliche Ereignisse in ganz Taiwan zu organisieren.

Im Jahre 2002 startete der SAC ein sechsjähriges Projekt, dieses Mal mit dem Ziel, die Zahl der Menschen, die regelmäßig Sport treiben, jedes Jahr um 500 000 auf 3 Millionen Menschen mehr bis Ende 2007 zu erhöhen. "Regelmäßig Sport treiben" bedeutet für den Rat, dass man mehr als zwei Mal die Woche für mindestens je 30 Minuten Leibesübungen betreibt, und laut den SAC-Statistiken wurde die 3-Millionen-Marke im September vergangenen Jahres erreicht. Der SAC setzt nicht nur den Ansatz des früheren Projekts "Sonnenschein, Gesundheit" fort, sondern organisiert außerdem mehr Veranstaltungen auf Landesebene wie den Taiwan-Fahrradtag, der am ersten Samstag im Mai stattfindet, und den Nationalen Wandertag am 22. November.

Was kostet die Gesundheit?

Doch während regelmäßiger Sport mehr Anerkennung als wichtige Vorbeugemaßnahme gegen einige unerwünschte Folgen des modernen Lebens gewinnt, könnte es etwa länger dauern, bis so manche einzelne Vorstellung und Einstellung reformiert werden kann. SAC-Statistiken belegen, dass bis zum Ende des vergangenen Jahres nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung des Landes regelmäßig Sport trieben. Der 47-jährige Kaufmann Chou Kuo-kuang in Taipeh ist einer von vielen, die für ihre Arbeit mehr graue Zellen als Muskelschmalz brauchen. "Wenn es um die Verbesserung der körperlichen Fitness geht, denken wir Chinesen eher an gesunde Ernährung und traditionelle Kräuterheilmittel", beschreibt er. "Sport ist nur zum Spaß."

Chou, der zu den vier Fünfteln der Bevölkerung gehört, die nicht regelmäßig Sport treiben, gibt an, dass er während seiner Zeit in der Oberschule und auf dem College viel Zeit im Schwimmbad und auf dem Basketballplatz zubrachte. Allerdings hat er nun schon eine Weile keinen ernsthaften Sport mehr getrieben, abgesehen von gelegentlichem Golfspielen, was er mehr als Freizeitvergnügen denn als Sport betrachtet. "Ich hätte nichts dagegen, ordentlich ins Schwitzen zu kommen -- wenn ich nicht so viel zu tun hätte, nicht so müde wäre, wenn ich Zeit hätte, mir ein Paar Sportschuhe zu kaufen, und wenn ich natürlich in der Stimmung dazu wäre", schwadroniert er. "Ich denke, ich habe erfolgreich eine Gewohnheit entwickelt, keinen Sport zu treiben." Selbstverständlich kennen viele andere Menschen solche Ausreden nur zu gut.

Nach über zwei Jahrzehnten Arbeit als Computer-Kaufmann findet Chou, wenn man versucht, die Menschen zum Sport zu überreden, ist das so, als ob man ein Produkt verkaufen wollte und es dabei unterm Strich gleichfalls nur um "Kosten" und "Gewinn" geht. "Wenn der wahrgenommene Gewinn gut ist, könnten die Kunden auch bereit sein, für die Kosten aufzukommen -- ins Portemonnaie zu greifen, um ein Paar Sportschuhe oder einen Tennisschläger zu erwerben, etwas Schlaf zu opfern, den Zeitplan des Tages umzustellen und viel Energie aufzuwenden, um eine neue Fertigkeit zu erlernen", zählt er auf.

Der ehemalige Pingpongspieler Chen Yin-lie findet, das sei nur ein geringer Preis. "Eigentlich kann man den Nutzen von Leibesübungen und regelmäßigem Sport nicht wirklich quantifizieren", stellt er fest. "In meinem Alter weiß man einfach, es ist die beste Investition, die man je machen kann." Für Chou scheint es indes, dass es noch eine Weile dauern wird, bis er sein nächstes Paar Sportschuhe kauft.

(Deutsch von Tilman Aretz)