GESELLSCHAFT

Freiwilligendienst im Umbruch

Freiwilliger sozialer Dienst wandelt sich von einem klaren Geber-Nehmer-Verhältnis zu einem System gegenseitiger Fürsorge, wodurch sich mehr Gelegenheiten ergeben, unerfüllte Bedürfnisse der Gesellschaft zu bedienen.

von Audrey WANG
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Hondao Senior Citizen's Welfare Foundation

Freiwilligendienst als Schülerlotse an Straßenkreuzungen nahe den Schulen ihrer Kinder ist ein üblicher Freiwilligendienst, der von Müttern verrichtet wird. (Foto: Chang Su-ching)


Lin Yuan-yuan nennt die Senioren, um die er und seine Frau Lai Li-chuan sich kümmern, "alte Buddhas", denn durch sie hat er im Laufe der sieben Jahre, die er und Lai als Vollzeit-Freiwillige in der Seniorenwohlfahrtsstiftung Hondao Senior Citizen's Welfare Foundation in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung dienten, eine Menge über die Weisheit des Lebens gelernt. Zwar bringt ihnen diese Arbeit finanziell nichts ein, doch Lin und seine Frau sind überzeugt, dass sie durch die Erfahrung gelernt haben, bessere Menschen zu werden. Lin sagt, freiwilliger sozialer Dienst habe ihm gezeigt, dass "alle Menschen in der Welt Mitglieder einer großen Familie sind. All die Streitereien um Geld, Macht und Ruhm erscheinen nun so trivial und verdienen keinerlei Beachtung".

In Taiwan betrachtete man freiwillige Sozialarbeit als wohltätigen Akt oder gute Tat, vielleicht als Mittel, um religiöse Ziele zu erreichen, etwa tugendhafter zu werden und sich Verdienste zu erwerben. Solche von Glauben getragene Überzeugungen veranlassten viele Menschen dazu, ihre Zeit und Kraft religiösen Wohlfahrtsorganisationen, die sich auf Freiwilligenarbeit stützen, zur Verfügung zu stellen, unter ihnen die buddhistische Wohlfahrtsstiftung Buddhist Compassion Relief Tzu Chi Foundation, die bekannteste gemeinnützige Organisation des Landes.

Zwar genießen solche Beweggründe, Anteilnahme für andere zu zeigen, in der Gesellschaft höchsten Respekt, doch sind Organisationen nicht in der Lage, sich allein auf die vergleichsweise wenigen Personen zu verlassen, die bereit sind, häufig ihre Zeit, Kraft und Geld zu opfern, um unerfüllte Bedürfnisse der Gesellschaft zu bedienen. Aus diesem Grund bemühen sich manche Gruppen, das Image von Freiwilligenarbeit in Richtung eines Systems gegenseitigen Beistandes zu verändern.

Nach den Worten von Debbie Huang, Generalsekretärin des Internationalen Verbandes für Freiwilligenarbeit in Taiwan (International Association for Volunteer Effort in Taiwan, IAVE-Taiwan), vollzog sich bei Freiwilligenarbeit ein Übergang vom früheren Schwerpunkt auf individuellen wohltätigen Akten zur Bereitstellung einer Vielzahl von sozialen Dienstleistungen. IAVE widmet sich dem Ziel, die Entwicklung von Freiwilligenarbeit in der ganzen Welt zu fördern. "Das Ziel freiwilliger sozialer Arbeit hat sich von der Hilfe für einzelne Personen ausgedehnt und umfasst nun auch Lösungen für verschiedene soziale Fragen", beschreibt Huang. Die Fragen können so geringfügig sein wie Förderung von Recycling auf der Gemeinde-Ebene, aber auch so groß wie Anstrengungen, die Erwärmung des Weltklimas zu verlangsamen. "Freiwillige arbeiten nicht allein zu dem Zweck, den Unterprivilegierten zu helfen; im Gegenteil, sie tun es, um das allgemeine öffentliche Interesse zu fördern", definiert sie. Bei diesem neuen Ansatz haben diejenigen, die der Öffentlichkeit freiwillig ihre Dienste zur Verfügung stellen, erkannt, dass sie selbst ebenfalls davon profitieren, in einer besseren Gesellschaft zu leben, ergänzt Huang.

Viele Freiwillige werden durch den Drang angetrieben, ihre Gemeinden und die Gesellschaft als Ganze zu verbessern, interpretiert Huang. Statistiken des Innenministeriums untermauern ihren Standpunkt und zeigen, dass mehr Einzelpersonen sich für Gemeindedienst als für jede andere Kategorie von Freiwilligenarbeit entscheiden. Im Jahre 2006 zum Beispiel bezeichneten über 30 Prozent aller Freiwilligen ihre Anstrengungen als Gemeindedienst und machten damit die größte Einzelgruppe von Freiwilligen aus. Laut Huang "hat sich allmählich der Gedanke durchgesetzt, dass jeder sich in unterschiedlicher Weise freiwillig betätigen kann".

Während sich das Wesen freiwilliger Arbeit verändert, steigen auch die Zahlen von Freiwilligen in sozialer Wohlfahrt. Laut Zahlen des Innenministeriums erhöhte sich die Gesamtzahl registrierter freiwilliger Sozialarbeiter von 58 671 im Jahre 2003 auf 108 869 im Jahre 2007.

Freiwillige in der Senioren-Wohlfahrtsstiftung Hondao kümmern sich vor allem um alleinstehende Senioren.


Der Hintergrund der Menschen, die sich für freiwillige Arbeit entscheiden, wandelt sich gleichfalls. Die Statistik des Innenministeriums besagt, dass beinahe 30 Prozent aller angemeldeten freiwilligen Sozialarbeiter im Jahre 2007 Hausfrauen (oder Hausmänner) waren, die am stärksten vertretene Berufsgruppe. Die Zahl der Hausfrauen/Hausmänner unter den Freiwilligen wuchs von 17 294 im Jahre 2003 auf 31 483 im Jahre 2007, eine Zunahme von 82 Prozent. Freiwillige aus anderen Bereichen der Gesellschaft holen indes rasant auf. Im vergangenen Jahr gaben 26 Prozent aller angemeldeten freiwilligen Sozialarbeiter an, sie seien in Gewerbe und Handel tätig. Ihr Zahl stieg von 6872 im Jahre 2003 auf 12 942 im Jahre 2007, ein Wachstum von 91 Prozent.

Um Freiwilligen und entsprechenden Organisationen eine solidere rechtliche Grundlage zu verschaffen, verkündete die Regierung im Jahre 2001 das Freiwilligendienst-Gesetz. Das Gesetz regelt detailliert die Grundrechte von Freiwilligen, darunter die Rechte auf Beteiligung an Entscheidungen über Freiwilligen-Dienstpläne, Teilnahme an Schulung und Schutz durch einen Unfallversicherungsplan der Organisation. Außerdem wird vorgeschrieben, dass registrierte Freiwillige einen formalen Dienstnachweis erhalten können, und nach Ableistung von 300 Dienststunden binnen drei Jahren haben sie Anspruch auf eine Freiwilligendienst-Ehrenkarte. Die Karte garantiert ihrem Inhaber freien Eintritt in verschiedenen öffentlichen Freizeiteinrichtungen. Nach 3000 Dienststunden wird man öffentlich geehrt und bekommt eine Plakette. Durch solche Belohnungen erhalten jene, die anderen helfen, öffentliche Anerkennung und die Vorteile, in einer besseren Gesellschaft zu leben.

Nach Ansicht von Chen Mei-huei, Leiterin der Sektion für Sozialentwicklung in der Abteilung für soziale Angelegenheiten des Innenministeriums, führt das Gesetz die Entschlossenheit der Regierung vor, Freiwilligenarbeit zu fördern. Unter dem Gesetz können Freiwilligengruppen staatliche Zuschüsse für Schulungsprogramme und Werbung beantragen.

Der Schwerpunkt der Regierung auf Unterstützung für den Freiwilligensektor wurde im Jahre 2005 deutlich, als die Nationale Jugendkommission (National Youth Commission, NYC) -- eine Behörde im Ministeriumsrang -- IAVE dabei half, das Internationale Ressourcenzentrum (International Resource Center, IRC) der Gruppe in Taiwan aufzubauen. Das IRC ist die erste Unternehmung der internationalen Gruppe dieser Art. Die Ziele des Zentrums bestehen darin, Informationsdienste für Freiwilligenbemühungen auszubauen und als Basis für weitere Werbung für Freiwilligenarbeit und Jugenddienst auf der ganzen Welt zu dienen. Nach der Einrichtung des IRC halfen das Innenministerium und der Nationale Wissenschaftsrat IAVE-Taiwan und dem IRC, indem sie eine Gruppe lokaler Freiwilliger aus den Bereichen Wissenschaft und Technologie aufbauten. Die vom Staat unterstützten Anstrengungen zahlten sich mit dem begeisterndsten Projekt der Freiwilligengruppe aus, das Taiwans Erfahrung erfolgreich in die globale Freiwilligengemeinschaft einbrachte, nämlich als IAVE im Jahre 2003 die Taiwan-Gruppe auswählte, seine offizielle Internet-Homepage www. iave.org neu zu gestalten und vorzustellen. Zwar wurde die Website 2006 nach Kanada verlegt, doch die Übersetzung der IAVE-Website ins Chinesische wird nach wie vor von einem Lehrer und einer kleinen Gruppe studentischer Freiwilliger im südtaiwanischen Kaohsiung besorgt. Im März dieses Jahres unterzeichnete die Regierung ein Memorandum mit IAVE, in dem sie dem IRC für weitere drei Jahre Unterstützung versprach.

Stunden sparen

Der neue Schwerpunkt auf Freiwilligendienst als System gegenseitiger Hilfe fand seinen Ausdruck im Konzept der "Freiwilligen-Zeitbanken", die entstanden, als das Wesen und die Motivationen der Freiwilligenarbeit sich weiterentwickelten. In diesen Banken können Freiwillige ihre Arbeitsstunden "einzahlen" und dafür einen zeitlich ebenso langen Dienst von einem anderen Mitglied erhalten. Eine Dienststunde wird als ein Dienstschein gerechnet, wobei die Art der Arbeit keine Rolle spielt. Das Konzept misst der Zeit jedes Beitragsleistenden den gleichen Wert bei -- eine Dienststunde eines Arbeitslosen ist ebenso wertvoll wie eine Dienststunde, die von einem Spitzenmanager geleistet wurde. In dem System wird das Prinzip betont, dass man in seiner verfügbaren Zeit tut, was man kann, und zwar auf eine Weise, in der man sich am wohlsten fühlt.

"Diese Art von Freiwilligensystem hilft den Menschen dabei, ihr eigenes Potenzial zu entdecken und mehr Möglichkeiten zu finden, ihre Dienste anzubieten", wirbt Sun Chang-liang, Professor an der Abteilung für Senioren-Servicemanagement der Chaoyang University of Technology im Landkreis Taichung. Er weist besonders darauf hin, dass nicht alles, was man zum Leben braucht, mit Geld gekauft werden muss. Indem man das Konzept der Freiwilligenbanken annimmt, können individuelle Bedürfnisse innerhalb der Gemeinde erfüllt werden, versichert er.

Mitglieder der Senioren-Wohlfahrtsstiftung Hondao tauschen mit Senioren in Japan Ideen über das Zeitwährungssystem aus.


Sun verweist auf den US-Amerikaner Edgar Cahn, den Urheber der Idee "Time Dollar" (Zeit-Dollar), und erklärt, am Ende sei Cahn zu dem Schluss gekommen, dass Menschen der wahre Reichtum und das wirkliche Vermögen sind und dass "wir die Kapazität jedes menschlichen Wesens anzapfen können, um etwas Wertvolles beizusteuern". Sun: "In gewisser Weise wird damit der Wert der Menschen auch neu definiert -- es sind Menschen, nicht das Geld, welche wirkliche Werte erzeugen."

Eine effiziente Methode zur Koordinierung der Freiwilligen-Zeitbanken ist entscheidend, damit das System funktioniert. Die Koordinatoren sind verantwortlich dafür, Mitglieder zu finden, die in der Lage sind, die Bitten von jenen zu erfüllen, die "Zeit abheben" wollen. Das erklärt auch, warum die Zeitbanken in der Regel zuerst in einer Gemeinde den Betrieb aufnehmen, wo die Mitglieder Nachbarn sind und die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitbürger besser kennen.

Zwar wird das Konzept der Freiwilligen-Zeitbanken noch von vielen nichtstaatlichen und gemeinnützigen Organisationen geprüft, doch die Hondao-Stiftung in Taichung entschloss sich im Jahre 2006 zu dem Wagnis, das System zu übernehmen.

Das Konzept des Zeitbankwesens entstand in den achtziger Jahren in den USA, hat aber in Japan ein sehr hohes Entwicklungsstadium erreicht. Als die Gründer von Hondao die Einrichtung einer Zeitbank zu erwägen begannen, reisten sie nach Japan, um dort etwas über erfolgreiche Systeme wie jenes zu lernen, welches der Nippon Active Life Club (NALC) aufgebaut hatte. Nachdem der NALC nun seit fast 15 Jahren mit einem Zeitbanksystem arbeitet, hat er nach eigenen Angaben heute über 26 000 Mitglieder und 130 lokale Stützpunkte in ganz Japan. Eine so große Zahl von Freiwilligen macht einen Service-Austausch über große Entfernungen möglich, so dass Mitglieder, die ihre eingezahlten Stunden zu Service verflüssigen wollen, Hilfe für Familienmitglieder in anderen Städten per Telefonanruf verfügbar machen können.

Zusätzlich zur Förderung des Zeitbank-Systems ermutigt der NALC auch seine Mitglieder, auf "traditionelle" Weise freiwillige Dienste zu leisten, also ohne Gegenleistung zu arbeiten. Zwar haben manche Menschen ihrer Befürchtung Ausdruck verliehen, das System des Service-Handels könne den grundlegenden guten Willen freiwilliger Arbeit zerstören, indem man ihn egoistischer und weniger altruistisch mache, doch Zahlen vom NALC zeigen, dass die Gesamtzahl traditioneller Dienststunden aller NALC-Mitglieder, die nicht in die Zeitbank eingezahlt werden, durchweg höher ist als die Anzahl der Stunden, welche von Mitgliedern auf ihre Konten eingezahlt wird. Im Jahr 2001 zum Beispiel leisteten NALC-Mitglieder etwa 118 000 Stunden traditioneller Freiwilligendienste, beanspruchten aber nur rund 90 000 Stunden im Zeitbanksystem. 2005 betrug die Zahl der traditionellen Stunden 192 000, die der verbuchten Dienststunden erreichte fast 160 000. Nach der Deutung des NALC-Vorsitzenden Takahata Keiichi zeigen die Statistiken, dass "die Menschen durch das Zeitwährungssystem die wahre Glückseligkeit gefunden haben, anderen zu helfen".

Wie du mir, so ich dir

Anstatt die Freiwilligen-Dienststunden in Kontobüchern zu speichern, folgt die Hondao-Stiftung, die seit 1995 Senioren zur Hand geht, der innovativen Strategie, welche eine "Zeit-Währung" anwendet. Das System hat die Bezeichnung "Cou pons für gegenseitige Hilfe", und diese Bons mit Nennwerten von 10, 30 und 60 Minuten werden als Tauschmedium benutzt. Hondao unterteilte den Landkreis in sieben Bezirke, von denen jeder sein eigenes Couponsystem hat.

Auf diese Weise können Einzelpersonen, die Beistand leisten, später Dienstleistungen von anderen Anbietern "erwerben", und der Ablauf der Hilfe für andere verschiebt sich von einer Beziehung in nur eine Richtung zu einer Beziehung in zwei Richtungen, lobt Hondaos Geschäftsführerin Lin Yi-ying.

Studierende aus dem Tischtennisklub der Chinese Culture University in Taipeh verbringen so manches Wochenende damit, Behinderten Pingpong beizubringen. (Foto: Chang Su-ching)


Laut Lin ist es wichtig, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass jeder, die Freiwilligen mit eingeschlossen, manchmal Hilfe braucht. Nach Lins Worten lässt die Angst, als Benachteiligter abgestempelt zu werden oder als Person, die von wirtschaftlicher oder sozialer Hilfe abhängig ist, manche Menschen zögern, um Hilfe zu bitten, wenn sie welche brauchen. "Ich habe Leute sagen hören, 'Ich bin nicht so arm, wie du denkst, warum gibst du den Dienst nicht denen, die ihn mehr brauchen als ich?'", kolportiert sie. Die Betonung gegenseitiger Hilfe ist eine der Stärken des Zeitbank-Systems, da es Menschen ermutigt, Beistand sowohl zu geben als auch zu nehmen.

Eine ideale Gesellschaft ist für Lin eine, in der Menschen sich um Hilfe der anderen bemühen, um ihre Probleme zu lösen, und Lin ist überzeugt, dass die mit dem Austausch von Service geschaffene Interaktion und Wärme Gemeinschaften mit stärkeren sozialen Verbindungen aufbauen werden. Besonders Senioren profitieren von solcher Interaktion, und zwar nicht nur wenn sie Service erhalten, sondern auch wenn sie etwas leisten. "Indem sie durch den Austausch von Dienstleistungen ständig an den Wert des eigenen Lebens erinnert werden, begreifen viele Senioren, dass ihr Leben in Wirklichkeit viel bedeutungsvoller ist [als sie denken]", analysiert Lin.

Bis Ende Januar dieses Jahres haben über 230 Mitglieder an den Programmen von Hondao teilgenommen, wobei etwa 850 Service-Tauschtransaktionen stattfanden. Hondao-Sozialarbeiterin Elma Lee meint, dass zur Erzeugung neuer Dienstleistungen die an dem Programm Beteiligten ermutigt werden, ihre Coupons so schnell wie möglich zu benutzen. Deswegen hat die Organisation die Regel aufgestellt, dass alle Gutscheine im gleichen Jahr verbraucht werden müssen, in dem sie verdient wurden, entweder indem man Dienstleistungen verbraucht oder auf dem Flohmarkt der Stiftung, der am Jahresende veranstaltet wird, von Hondao-Mitgliedern gespendete Artikel erwirbt.

Kreative Ideen

Lin und Lee haben festgestellt, dass Senioren, die an dem Programm teilnehmen, mit vielen innovativen Dienstleistungen aufwarteten, darunter Frühsport in der Gemeinde leiten, Steppdecken machen sowie "die Seele wiederherstellen", also traditionelle Rituale, welche die Psyche von jenen stärken sollen, die einen Schock erlitten haben oder andere beunruhigende Situationen erlebten. Andererseits haben Mitglieder der einzigen Nicht-Seniorengruppe in dem Programm -- Lehrkräfte und Studierende in Taichungs Hungkuang University -- eigene kreative Serviceideen entwickelt, zum Beispiel Austausch von Unterrichtsnotizen und -materialien, Computer reparieren und telefonischer Weckdienst am Morgen.

Hondao muss noch einige Hindernisse überwinden, bis sich der Umfang des Projekts vergrößern lässt, warnt Lin. Verglichen mit dem NALC in Japan ist das System von Hondao bislang nicht vollständig entwickelt. Interaktion zwischen Mitgliedern ist zudem nicht so häufig, wie Hondao es gerne hätte, besonders in den größeren Bezirken, wo die Mitglieder in der Regel ein Mal in der Woche Dienstleistungen austauschen, wenn sie sich bei geplanten Aktivitäten treffen. Weitere Probleme umfassen ein ineffizientes Koordinationssystem sowie Mitglieder, welche die Regeln nicht verstehen oder nicht einhalten. Um diese Probleme zu lösen, plant Hondao nach Lins Worten eine Neubewertung des aktuellen Systems und die Einführung des Konzepts der Zeit-Währung in der Öffentlichkeit durch Seminare und Veranstaltungen.

Obwohl diese neuen Formen von Freiwilligenarbeit den Menschen viele zusätzliche Optionen geben, welche Art von Dienst sie anbieten oder erhalten wollen, glaubt Huang von IAVE-Taiwan, dass der Geist der Freiwilligenarbeit -- zusammenarbeiten, um die Gesellschaft zu verbessern -- als Alltagshaltung lohnend ist. Huang hat überdies keinen Zweifel, dass ihr Dienst als Freiwillige ihr Leben verändert hat. "Ich bin aktiver und positiver geworden", findet sie. "Ich habe außerdem gelernt, dass nichts unerreichbar ist, wenn die Träume des Einzelnen zu kollektiven Zielen werden."

(Deutsch von Tilman Aretz)