POLITIK
Profil der Kandidaten
Zur Präsidentschaftswahl am 22. März 2008 schickten die beiden größten politischen Parteien Taiwans, die Demokratische Progressive Partei (Democratic Progressive Party, DPP) und die Nationale Volkspartei (Kuomintang, KMT), jeweils ein Kandidatenpaar ins Rennen. Beim Urnengang setzten sich Ma Ying-jeou mit seinem Vizepräsidentschafts-Kandidaten Vincent Siew von der KMT klar gegen den DPP-Präsidentschaftskandidaten Frank Hsieh und dessen Stellvertreter Su Tseng-chang durch. Taiwan heute stellt die vier Kandidaten in kurzen Porträts vor.
von Tilman ARETZ
Fotos: Central News Agency
Die
Kandidaten der KMT: Ma Ying-jeou (links) und Vincent Siew.
Ma Ying-jeou, Jahrgang 1950, Präsidentschaftskandidat 2008 der KMT.
Ma Ying-jeou ist seit Jahren der Hoffnungsträger der KMT. Seine Herkunft ist ein typisches Beispiel eines Bürgerkriegskindes -- Ma wurde in Hongkong als Sohn festlandchinesischer Eltern geboren, die nach der Niederlage der KMT-Armeen unter Chiang Kai-shek im chinesischen Bürgerkrieg (1945-1949) aus ihrer Heimatprovinz Hunan nach Tai wan flüchteten. Ma studierte Jura an der renommierten National Taiwan University (NTU) in Taipeh und machte 1972 Examen. Es folgte ein Postgraduiertenstudium der Rechtswissenschaften in den USA, das er mit einer Promotion 1981 in Harvard erfolgreich beendete.
Bereits in den achtziger Jahren bekam er Kontakt mit dem Zentrum der politischen Macht in Taiwan, als er als Englisch-Fremdsprachensekretär für Staatspräsident Chiang Ching-kuo fungierte.
1988 wurde Ma zum Vorsitzenden der Kommission für Forschung, Entwicklung und Bewertung (Research, Development and Evaluation Commission, RDEC) ernannt, 1991 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Rates für Festlandangelegenheiten (Mainland Affairs Council, MAC). Zwischen 1993 und 1996 diente Ma als Justizminister, und 1998 setzte er sich bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters von Taipeh gegen den Amtsinhaber Chen Shui-bian durch. Bei der Wiederwahl als Taipehs Bürgermeister 2002 triumphierte Ma mit eindrucksvollen 64 Prozent der Wählerstimmen.
Ähnlich deutlich war das Ergebnis zur Wahl des KMT-Parteivorsitzenden im Juli 2005, als auf Ma über 72 Prozent der Stimmen entfielen; das Amt des KMT-Chefs behielt er bis Februar 2007. Im Mai des gleichen Jahres nominierte ihn die KMT als Kandidaten für die diesjährige Präsidentschaftswahl.
Ma Ying-jeou ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Vincent Siew, Jahrgang 1939, Vizepräsidentschaftskandidat 2008 der KMT.
Wegen seiner häufig heiteren Miene haben die Menschen in Taiwan Vincent Siew den Spitznamen "Lächelnder Siew" gegeben. Der gebürtige Taiwaner studierte Außenpolitik und Internationales Recht an der National Chengchi University (NCCU) in Taipeh und machte 1965 seinen Magister. 1966 bis 1972 diente er am Generalkonsulat der Republik China in Kuala Lumpur (Malaysia) und wechselte nach seiner Rückkehr nach Taiwan ins Büro für Außenhandel im Wirtschaftsministerium, dessen Generaldirektor er 1982 wurde.
Seit Anfang der neunziger Jahre bekleidete Siew immer wieder wichtige Regierungsämter, unter anderem Wirtschaftsminister (1990-1993), Vorsitzender des Rates für Festlandangelegenheiten (MAC, 1994-1995), war 1996 bis 1997 Parlamentsabgeordneter und wurde 1997 von Staatspräsident Lee Teng-hui zum Premierminister der Republik China berufen. Dieses Amt hatte er bis zum Machtwechsel im Jahr 2000 inne.
Vor der Präsidentschaftswahl am 22. März 2008 war Siew schon einmal Vizepräsidentschaftskandidat der KMT gewesen, und zwar unter Lien Chan bei der Präsidentschaftswahl 2000, wobei Lien gegen Chen Shui-bian von der DPP unterlag. Siew war zwischen 2000 und 2005 stellvertretender Parteivorsitzender der KMT. 2002 wurde er Vorsitzender des Chunghua-Instituts für Wirtschaftsforschung, und 2003 holte ihn Präsident Chen Shui-bian als Chef-Wirtschaftsberater ins Präsidialamt. Seine Posten gab er im Juni vergangenen Jahres auf, als er Ma Ying-jeous Angebot annahm, bei der Präsidentschaftswahl 2008 als Vizepräsidentschaftskandidat anzutreten.
Vincent Siew ist verheiratet und hat drei Töchter.
Die
Kandidaten der DPP: Frank Hsieh (links) und Su Tseng-chang.
Frank Hsieh, Jahrgang 1946, Präsidentschaftskandidat 2008 der DPP.
Wie sein Gegner Ma Ying-jeou ist auch der in Taipeh geborene und aufgewachsene Frank Hsieh Jurist. Nach seinem Studium an der NTU und an der Kyoto University in Japan wirkte er zunächst als Anwalt. Seine berufliche Tätigkeit brachte ihn mit politischen Ereignissen in Taiwan in Verbindung, als er 1980 nach dem Kaohsiung-Zwischenfall vor Gericht angeklagte Demokratie-Aktivisten verteidigte. 1986 war er an der Gründung der DPP beteiligt.
Von 1981 bis 1988 war Frank Hsieh Mitglied im Stadtrat von Taipeh, von 1989 bis 1995 saß Hsieh für die DPP als Abgeordneter im Legislativ-Yuan, also Taiwans Parlament. 1996 wurde er von der DPP zum Vizepräsidentschafts-Kandidaten an der Seite von Peng Ming-min nominiert, doch konnten sich die beiden damals nicht gegen den KMT-Kandidaten und Amtsinhaber Lee Teng-hui durchsetzen.
1998 siegte Hsieh bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters von Kaohsiung und wurde vier Jahre später von den Wählern in diesem Amt bestätigt. Nachdem die DPP im Mai 2000 Regierungspartei geworden war, übernahm Hsieh im Juni 2000 den Parteivorsitz und blieb bis Juli 2002 im Amt. Als er Anfang Februar 2005 von Präsident Chen Shui-bian zum Premierminister ernannt wurde, trat er vorzeitig als Kaohsiungs Oberbürgermeister zurück. Im Januar 2006 wurde er als Regierungschef von Su Tseng-chang abgelöst.
Im Mai 2007 fand die DPP-Vorwahl statt, die den Kandidaten der Partei für die diesjährige Präsidentschaftswahl bestimmen sollte und die Hsieh für sich entschied. Nach der schweren Niederlage der DPP bei den Parlamentswahlen am 12. Januar 2008 übernahm er zum zweiten Mal den Parteivorsitz.
Frank Hsieh ist verheiratet und hat einen erwachsenen Adoptivsohn.
Su Tseng-chang, Jahrgang 1947, Vizepräsidentschaftskandidat 2008 der DPP.
Der Werdegang von Su Tseng-chang weist auffallende Parallelen mit dem von Frank Hsieh auf. Der aus Südtaiwan stammende Su studierte an der NTU Jura und wurde nach dem Examen Anwalt. Nach dem Kaohsiung-Zwischenfall war er wie Hsieh bei den Gerichtsverfahren als Strafverteidiger beteiligt und gehörte auch zu den Mitbegründern der DPP.
Sus politische Laufbahn begann wie die von Hsieh im Jahre 1981 -- bis zum Ende der achtziger Jahre war Su Abgeordneter im Provinzparlament Taiwan. 1989 wurde er zum Vorsteher seines heimatlichen Landkreises Pingtung gewählt, und mit seiner erfolgreichen Arbeit in dieser Funktion erlangte er eine so große Bekanntheit und Popularität, dass er bei der Parlamentswahl Ende 1995 einen Sitz als Abgeordneter für sich erringen konnte. Weiteren Auftrieb erhielt seine politische Karriere 1997, als er die Direktwahl des politisch bedeutsamen Landkreises Taipeh für sich entschied und auch die Wiederwahl 2001 gewann.
Nach Ende seiner zweiten Amtszeit als Kreisvorsteher wurde ihm 2004 der Posten des Generalsekretärs im Präsidialamt anvertraut. Zwischen Februar und Dezember 2005 bekleidete Su das Amt des DPP-Parteivorsitzenden, und im Januar 2006 wurde er zum Premierminister ernannt und leitete das Regierungskabinett bis Mai 2007. Nach der Nominierung Frank Hsiehs zum DPP-Präsidentschaftskandidaten nahm er im August vergangenen Jahres dessen Angebot an, als Vizepräsidentschafts-Kandidat mit ihm ins Rennen zu gehen.
Su Tseng-chang ist verheiratet und hat drei Töchter.