GEWERBE
Das Königreich der Drahtesel
Nach Jahrzehnten unbeständigen Geschäfts erlebte Taiwans Fahrradherstellungssektor in den letzten Jahren einen neuerlichen Aufschwung.
von Kelly HER
Die
deutsche Radrennfahrermannschaft Team T-Mobile gewann von 2004 bis 2006 in der Mannschaftswertung
der Tour de France auf Kohlefaserrädern der taiwanischen Firma Giant. (Foto:
Courtesy Giant Inc.)
Bei den 28. Olympischen
Sommerspielen in Athen im Jahre 2004 errang die Norwegerin Gunn-Rita Dahle vom Multivan
Merida Biking Team mit dem Überqueren der Ziellinie die Goldmedaille in der
Disziplin Cross Country für Mountainbikes. Von 2004 bis 2006 siegte die deutsche
Radrennfahrermannschaft Team T-Mobile in der Mannschaftswertung der Tour de France
auf Kohlefaserrädern der taiwanischen Firma Giant. Jetzt, kurz vor den 29. Olympischen
Sommerspielen in Beijing, die im August dieses Jahres anstehen, streben die Frauen
des chinesischen Rennradlerteams auf Giant-Rädern nach olympischem Gold.
Taiwanische Unternehmen wie Giant Inc. und Merida Industry Co. hoffen, dass Erfolge bei renommierten Wettkämpfen wie der Tour de France und der Olympiade ihnen dabei helfen, sozusagen aus der Verfolgergruppe der OEM-Hersteller auszubrechen und die Führung bei den internationalen Fahrrad-Markennamen der Spitzenklasse zu übernehmen.
Ab den sechziger und siebziger Jahren erhielten einheimische Fahrradhersteller dank der aktiven Ausrichtung internationaler Handelsmessen durch Taiwans Regierung Bestellungen aus dem Ausland und traten ins anfängliche Wachstumsstadium ein. In den achtziger Jahren fassten Taiwans Fahrradfabrikanten durch moderne Ausstattung und Technologien zunehmend auf internationalen Märkten Fuß und gediehen als OEM-Hersteller, also Fabrikanten, die im Auftrag ausländischer Kunden produzieren und weder eigene Designs noch eigene Markennamen besitzen. So wie es mit Spielzeug und Regenschirmen der Fall war, erreichten die Exportzahlen taiwanischer Fahrräder in den achtziger Jahren ihre höchsten Werte. In der Branche wurde Taiwan gemeinhin als "Königreich der Fahrräder" bekannt. 1986 exportierten taiwanische Hersteller über 10 Millionen Drahtesel für einen Durchschnittspreis von 41 US$ pro Stück.
Gegen Ende der neunziger Jahre stießen die meisten taiwanischen Fahrradfabrikanten jedoch auf starke Konkurrenz von Billigpreis-Herstellern, die in Ländern wie China und in Südostasien aktiv waren, wo die Lohnkosten und Grundstückspreise erheblich geringer waren. Die einheimische Fahrradproduktion lief Gefahr, unterzugehen, da immer mehr Firmen ihre Fertigungsbetriebe in Taiwan dichtmachten und ins Ausland verlagerten.
Als Reaktion auf diesen Trend begannen manche einheimischen Firmen, sich auf den Aufbau eigener Markennamen zu konzentrieren, wodurch sie überlebten -- und gediehen. Zwar ist das Exportvolumen im letzten Jahrzehnt zurückgegangen, doch der Gesamtwert und der durchschnittliche Exportpreis von in Taiwan gefertigten Fahrrädern sind beständig gestiegen.
Laut Statistiken, die vom Verband der Fahrradexporteure Taiwans (Taiwan Bicycle Exporters' Association, TBEA) zusammengestellt wurden, erreichten im Jahre 2006 Taiwans Fahrradausfuhren 4,1 Millionen Einheiten, die für einen durchschnittlichen Stückpreis von 207 US$ verkauft wurden und Einkünfte in Höhe von 839 Millionen US$ erzeugten, verglichen mit 4,8 Millionen Einheiten zu je 112 US$ und 536 Millionen US$ Gesamteinnahmen im Jahre 2001.
"Der Anstieg des Durchschnittspreises in den letzten 10 Jahren deutet auf den anhaltenden Fortschritt der taiwanischen Fahrradhersteller in Richtung Entwicklung qualitativ hochwertiger Produkte hin", analysiert TBEA-Generalsekretär James Liu. "Ihre große Marketingerfahrung und guter Nachverkaufsservice ermöglichen es ihnen auch, erfolgreich in industriell fortschrittliche Länder einzudringen, wodurch sie Preiskriege mit Billig-Fahrradfabrikanten in China vermeiden."
Laut TBEA-Statistiken waren im Jahre 2006 die USA das Hauptziel für Fahrradexporte aus Taiwan, gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Japan. Am oberen Ende des internationalen Fahrradmarktes -- Fahrräder zu Großhandelspreisen zwischen 150 und 2000 US$ -- mit einem Volumen von rund 5 Millionen Einheiten im Jahr hält Taiwan heute einen Anteil von 80 Prozent. Die Einzelhandelspreise für diese Spitzenräder betragen in der Regel mehr als das Dreifache der Export-Großhandelspreise.
"Taiwans Fahrradgewerbe ist heute stark, weil es über feine Fabrikations-, Design- und Vermarktungsfähigkeiten verfügt, außerdem gibt es Markennamen und Verkaufskanäle", interpretiert Edward Liao, geschäftsführender Direktor des Zentrums für Forschung und Entwicklung der Radfahr- und Gesundheitstechnik-Industrie (Cycling & Health Tech Industry R&D Center, CHC). "Außerdem haben die Hersteller von Fahrrädern und entsprechenden Einzelteilen vereinte Anstrengungen unternommen, eine effiziente Zulieferungskette aufzubauen, welche rasch auf Bedürfnisse des Marktes und Trends reagiert."
Mit fast 50 Jahren Fabrikationserfahrung bleibt Taiwan ein wichtiger Produktionsstandort für bekannte internationale Fahrradmarken, darunter Colnago aus Italien, Trek und Specialized aus den USA, Scott aus der Schweiz, Panasonic aus Japan sowie die Fahrrad-Sparten von BMW, Mercedes-Benz und Porsche aus Deutschland.
Liaos Zentrum, im Jahre 1992 unter dem Namen "Taiwan Bicycle Industry R&D Center" gegründet, spielt eine positive Rolle dabei, die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Taiwans Fahrradgewerbe zu konsolidieren. Das CHC ist eine gemeinnützige Einrichtung -- 51 Prozent seines Budgets kommen vom Industriellen Entwicklungsamt im Wirtschaftsministerium, die restlichen 49 Prozent von Branchenvertretern. Es ist mit der Forschung und Entwicklung von Technologien im Fahrradbereich betraut, außerdem soll es Test- und Zertifizierungs-Dienstleistungen für Qualitätskontrolle bieten und die Standardisierung von Fahrrädern und Fahrradteilen erhöhen.
An die Grenzen vorstoßen
Entsprechend hat das CHC mehrere Labors eingerichtet, die mit modernen Maschinen und Informationstechnologiesystemen ausgestattet sind, etwa dreidimensionales computergestütztes Design, Geräte für Materialprüfung, Produktionstechnologien und Designkonzepte.
Darüber hinaus begann das Zentrum im Jahre 1996 damit, einen Wettbewerb für einheimisches Design zu organisieren, der 1998 zu einer jährlichen internationalen Veranstaltung erweitert wurde. Beim Internationalen Fahrraddesign-Wettbewerb gehen jedes Jahr über 1000 Beiträge von Designern aus etwa 50 Ländern ein. Insgesamt 24 Beiträge werden mit je 500 000 NT$ (10 416 Euro) ausgezeichnet. Das CHC arbeitet zudem mit den Designern zusammen, um die Möglichkeiten der Kommerzialisierung ihrer Designideen auszuloten.
"Wir wollen diesen Wettbewerb als Kommunikationskanal für Fahrraddesigner, Hersteller und Fahrradfreunde aus der ganzen Welt benutzen", versichert Liao. "Hoffentlich kann eine Vielzahl von Designkonzepten und kulturen die Funktionalität, das Aussehen und die Qualität von Fahrrädern steigern und damit ihre Popularität erhöhen, so dass sie ein Teil des täglichen Lebens der Menschen werden."
Seit Oktober letzten Jahres, als das CHC einen Vertrag mit dem japanischen Fahrradverband unterzeichnete, können in Taiwan hergestellte Fahrräder noch vor der Versendung nach Japan für den Verkauf dort zertifiziert werden. Liao ergänzt, dass dies das hohe Niveau hervorhebt, das Taiwans Fahrradbranche erreicht hat.
Giant
sponsert Radrenn-Mannschaften und Sportveranstaltungen, um das internationale Image
seiner Marke zu fördern. (Foto: Courtesy Giant Inc.)
In der Tat haben die taiwanischen Fahrradhersteller unter der Führung von Giant
und Merida unter den unabhängigen Fahrradhändlern und Verbrauchern in der
ganzen Welt eine treue Gefolgschaft aufgebaut. Fahrräder "made in Taiwan"
werden nun weithin als Produkte der Oberklasse anerkannt.
Besonders Giant sticht derzeit als führende Marke in China und Taiwan hervor und ist eine der drei Top-Marken in Europa und den USA sowie die größte Importmarke in Australien, Japan, Kanada und den Niederlanden.
Während sich Giant in den letzten Jahren über ein beständiges zweistelliges Wachstum der Verkaufszahlen freuen durfte, stiegen die Einkünfte des Fahrradriesen von 14,5 Milliarden NT$ (302 Millionen Euro) im Jahre 2001 auf 27 Milliarden NT$ (562,5 Millionen Euro) fünf Jahre später. Giant hat sich zum größten Fahrradproduzenten der Welt gemausert. Den Produkten der Firma wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, sie gewannen neun Mal Taiwans Gold National Award of Excellence, außerdem Deutschlands IF-Produktdesignpreis und den Microsoft Business Solutions' Pinnacle Award. Die Drahtesel von Giant wurden überdies in Fahrradmagazinen in Europa und den USA zum Fahrrad des Jahres gekürt.
Wettbewerbsvorteil
"Viele Menschen sind besorgt über die Aushöhlung von Taiwans Industrie", raunt Jeffrey Sheu, Sprecher von Giant. "Wir wollen die Fahrradbranche als Modell benutzen, um zu zeigen, dass Taiwan immer noch große Fertigungsvorteile besitzt. Zu diesem Zweck hat unser Unternehmen eine Entwicklung in fünf Schritten durchlaufen, von Fabrikation zu Forschung und Entwicklung, Förderung von Marken, Einrichtung globaler Vertriebskanäle und Partnerschaften mit Einzelhändlern."
Giant hat sein internationales Fabrikationspotenzial entwickelt, indem acht Fabriken in China, Taiwan und den Niederlanden eingerichtet wurden, um Fahrräder von der unteren Preisklasse bis zu den Spitzensegmenten herzustellen. Gleichzeitig eröffnete das Unternehmen elf Regionalzentralen im Ausland sowie 10 000 Geschäfte in fast 50 Ländern, die Produkte werden ausschließlich durch Vertrags-Fahrradeinzelhändler verkauft. In Zentren für Forschung und Entwicklung in China, Taiwan, den Niederlanden und den USA beschäftigt Giant zudem rund 150 Fachleute, die für die Innovationen der Firma bei Technologien, Materialien und Designs verantwortlich sind. Giant war 1987 der erste Hersteller der Welt, der Fahrradrahmen und Einzelteile aus Kohlefasern in Massenproduktion fertigte. Laut Sheu kann das Gewicht eines Fahrrades mit Kohlefasern auf 6,5 Kilo gesenkt werden.
Der führende taiwanische Fahrradhersteller hat daneben leistungsstarke Hinterradaufhängungs-Rahmen für Mountainbikes entwickelt, die für eine bequeme Fahrt auf rauem Terrain und steilen Abschnitten bergab sorgen. Eine zentrale Herausforderung bei der Entwicklung solcher Rahmen war, die Einwirkung der Fahrerbewegung auf das Federsystem zu reduzieren.
Nach Sheus Worten hat seine Firma nicht nur ein weltweites Fabrikations- und Marketingnetz aufgebaut, um für prompte Lieferung, Verkaufsunterstützung und Nachverkaufsservice zu sorgen, sondern es werden außerdem 8 Prozent der Jahreseinkünfte für Marketing und Förderung der Marke abgezweigt.
"Unsere Firma hat seit ihrer Gründung im Jahre 1972 ein sehr gutes OEM-Geschäft", berichtet er. "Wir sind uns aber bewusst, dass unsere Zukunft in der Vermarktung unserer eigenen Markenprodukte liegt. Deswegen haben wir 1981 damit angefangen, im Inland für unsere Marke zu werben, ab 1986 auch im Ausland. Unser Markenname ist unser wertvollster Trumpf geworden. Zur Zeit kommen 70 Prozent unserer Verkäufe von unseren Markenprodukten." Im Jahre 2006 wurde der Wert der Marke Giant von Interbrand, einer internationalen Markenberatung, auf 250 Millionen US$ geschätzt.
Sheu fügt hinzu, dass ein bedeutender Teil der Markenförderungsstrategie der Firma das Sponsern von Radrennteams ist. Giant sponsert seit 2003 die Straßenrennmannschaft Team T-Mobile bei internationalen Wettkämpfen und unterstützt seit 2006 das chinesische Profi-Radlerteam der Damen, was dazu beitrug, den Ruf des Unternehmens zu konsolidieren.
Merida auf Goldsuche
Merida bemüht sich gleichfalls, für seine Marke zu werben, indem Eliteathleten unterstützt werden. Die Firma sponsert seit 1998 wichtige Radrennveranstaltungen und Sportler, und 2001 wurde ein eigenes Team aufgestellt.
Gegenwärtig besteht das Multivan Merida Biking Team aus sieben Sportlern, darunter Gunn-Rita Dahle aus Norwegen und Jose Antonio Hermida aus Spanien. Bei der Olympiade 2004 in Athen gewann Dahle Gold bei Cross-Country, Hermida errang in der gleichen Disziplin eine Silbermedaille. Merida stand überdies von 2003 bis 2006 an der Spitze der Mannschafts-Gesamtwertung der Mountainbike-WM. Dahle gewann auf einem Merida-Rad bei der Weltmeisterschaft 2006 eine Cross-country-Goldmedaille.
Nach den Worten von Wang Lung-chin, Assistenzmanager bei Merida, haben die Großtaten des Firmen-Radrennteams dem Markenimage des Unternehmens genützt, wodurch wiederum neue Märkte erschlossen werden konnten. Daneben muss Merida ständig Fortschritte bei der Forschung und Entwicklung seiner Produkte machen, um mit den Spitzensportlern in der Mannschaft Schritt halten zu können, die sehr hohe Anforderungen an ihre Fahrzeuge stellen.
Merida war 1972 gegründet worden und durchlief danach mehrere Entwicklungsstufen. "Unser Betrieb hat sich im Laufe der Zeit verändert und verschob sich vom Schwerpunkt auf Produktion zum Schwerpunkt auf Technologie und heute Marketing", erläutert Wang. "Die Produktionstechnologien und Management-Fähigkeiten, die wir mit unserem OEM-Geschäft sowie der Förderung unser Markenprodukte und Verkaufskanäle heranbildeten, haben zu ständigem Wachstum geführt."
In den letzten Jahren hat sich die Firma laut Wang auf die "3N"-Produktentwicklung konzentriert, bei der neue Materialien, neue Funktionen und neue Anwendungen im Mittelpunkt stehen. Durch die 3N-Entwicklung will die Firma Produkte schaffen, die leichter und besser sind und zu den Bedürfnissen unterschiedlicher Verbrauchergruppen passen.
Eine der Errungenschaften von Merida war die Einführung von Mountainbikes mit Rahmen aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung. Die leichten und doch robusten Räder hatten bei der Olympiade 2004 in Athen Premiere.
Das
Zentrum für Forschung und Entwicklung der Radfahr- und Gesundheitstechnik-Industrie
fördert mit Technologietransfer das Wachstum von Taiwans Fahrradbranche.
(Foto: Huang Chung-hsin)
Durch den Schwerpunkt auf Förderung des Markennamens und Produktinnovation konnte
Merida seine Verkaufszahlen von 6 Milliarden NT$ (125 Millionen Euro) im Jahre 2005
auf 6,9 Milliarden NT$ (143,7 Millionen Euro) im Jahr darauf steigern, und der Durchschnitts-Stückpreis
kletterte im gleichen Zeitraum von 377 US$ auf 405 US$.
Ein weiterer Faktor hinter der anhaltenden Entwicklung von Taiwans Fahrradgewerbe ist die Fähigkeit einheimischer Firmen, in Krisenzeiten zusammenzuarbeiten. Im Jahre 1998 verhängte die Europäische Union Antidumping-Zölle zwischen 2,4 und 18,2 Prozent auf taiwanische Fahrräder. Die Strafzölle blieben fünf Jahre lang gültig. Während dieser Zeit zettelten chinesische Hersteller einen Preiskrieg an, um Marktanteile an sich zu reißen.
Als sich die Lage verschlimmerte, wurde den Branchenführern Giant und Merida klar, dass sie für eine Verbesserung der Produktqualität, Produktionseffizienz und Lieferzeiten zusammenarbeiten müssten. Deswegen überredeten die beiden Unternehmen andere Fahrrad- und Fahrradteilehersteller in Taiwan, eine Allianz mit dem Namen "A-Team" zu bilden.
"Wenn wir in Taiwan verwurzelt bleiben wollten, mussten wir uns auf etwas anderes als Billig-Modelle aus Massenproduktion wie bei den Chinesen konzentrieren", meint Jeffrey Sheu von Giant rückblickend. "Also beschlossen wir, innovative Produkte der Spitzenklasse zu entwickeln, mit mehr Variationen, aber geringeren Stückzahlen."
Entsprechend führte die Projektgruppe des A-Teams das Toyota-Produktionssystem (TPS) ein, das einen geringen Lagerbestand, schlanke Herstellung und Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung bei gleichzeitiger Vermeidung von Abfall und Verschwendung propagiert. Derzeit besteht das A-Team aus 23 Mitgliedern.
Wang von Merida findet, sein Betrieb habe von der Förderung der Produktionsmanagementprinzipien des A-Teams profitiert, unter anderem fertigungs-/bedarfssynchrone Produktion ("just-in-time production"), totales Qualitätsmanagement (TQM) und Programme zur kontinuierlichen Verbesserung in allen Bereichen eines Unternehmens ("Total Productive Main tenance", TPM). Gemeinsam haben diese Maßnahmen die Produktionskosten für die ganze Versorgungskette verringert, und sie ermöglichten es den taiwanischen Herstellern, qualitativ hochwertige Fahrräder und Komponenten zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten.
"Wir haben seit unserer Umsetzung von TPS/TQM/TPM im Jahre 2003 unseren Teile-Bestand um 15 Prozent wirksam vermindert, die Lieferzeit um 60 Prozent verkürzt und die Produktivität um 25 Prozent gesteigert", frohlockt Wang.
Lee Chi Enterprise, ein einheimischer Hersteller von Fahrradbremsen, Bügeln und Sitzstangen unter dem Markennamen PROMAX, ist ebenfalls Mitglied des A-Teams.
Der Plan kommt zusammen
"Die Einführung von TPS in unseren Fertigungsbetrieben hat die Art und Weise, wie wir arbeiten und unsere Arbeiter ausbilden, damit sie bei der Erledigung verschiedener Aufgaben kompetent sind, verändert", lobt Charles Chang, Sonderassistent bei Lee Chi. "Durch die Beteiligung an Aktivitäten, die das A-Team organisiert, können wir voneinander lernen und gemeinsam Lösungen für Probleme finden. Unsere Produktqualität und Ertragsraten haben sich verbessert, und wir können flexibler dabei sein, auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen."
Chang fügt hinzu, dass dank der stärkeren Computerisierung und Automatisierung sowie der Standardisierung von Produktionsverfahren die Produkt-Lieferzeiten von ehemals über einem Monat auf 10 bis 30 Tage gesenkt werden konnten.
Der enge Austausch zwischen Führungskräften von Firmen im A-Team hat laut Chang zur Folge, dass es seltener zu Revierstreitigkeiten zwischen den Beteiligten kommt. Außerdem können die Führungskräfte, während sie ihre jeweilige Firmenentwicklungsstrategie entwerfen, sich auch um die Bedürfnisse der Branche als Ganze kümmern.
Sheu von Giant ist der Überzeugung, dass die Partnerschaft wesentlich zur erfolgreichen Umwandlung von Taiwans Fahrradindustrie beigetragen hat. "Die Gründung des A-Teams widerlegt die Theorie, dass Verkäufer nur gegeneinander konkurrieren und nicht zusammenarbeiten können", behauptet er.
Unterdessen waren globale Trends für die Entwicklung der Fahrradindustrie ebenfalls förderlich, und die meisten einheimischen Hersteller sind im Hinblick auf ihre Aussichten optimistisch.
"Radfahren wird als Freizeitaktivität und das Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel immer beliebter", versichert Sheu. "Daneben sehen wir ein enormes Potenzial für Nachfrage nach Elektro-Fahrrädern in China, wo die Benutzung von Motorrädern in vielen Städten verboten ist, und auch in Europa, wo das Umweltbewusstsein besonders stark ist. Da wir unser Produktdesign, die Qualität und den Nachverkaufsservice weiter verbessern, sind wir zuversichtlich, dass wir in Taiwan verwurzelt bleiben und gleichzeitig einen festen Platz auf dem Weltmarkt halten können."
(Deutsch von Tilman Aretz)