KUNST

Ein erfinderischer Zeichner

Liu Hsing-ching war nicht gut in der Schule, aber Fertigkeiten zur Problemlösung, die er während seiner Jugend erwarb, leisten ihm bei seiner Arbeit als Cartoonist und Erfinder gute Dienste.

von Jim HWANG
Fotos: HUANG Chung-hsin

Liu Hsing-ching wurde als Lehrer ausgebildet und betrachtet sich weiterhin als Pädagogen, auch nachdem er als Cartoonist und Erfinder bekannt wurde.


Comics sah Liu Hsing-ching erstmals während des Zweiten Weltkrieges -- ein von einem US-amerikanischen Bomber abgeworfenes Flugblatt mit der Darstellung eines japanischen Soldaten, der einen Taiwaner unterdrückt. "Da stand kein einziges Wort drauf, und wenn, hätte ich es nicht lesen können", kommentiert Liu. "Doch die Bedeutung des Cartoons hätte dank der übertriebenen Zeichnung nicht verständlicher sein können."

Liu war 1934 als Sohn einer Bauernfamilie in einem abgelegenen Hakka-Dorf im Landkreis Hsinchu zur Welt gekommen. Als er den Bomber-Cartoon auflas, hatte er selbst bereits seit mehreren Jahren gezeichnet, doch durch die vom Himmel gefallene Inspiration ging er von seinen Versuchen naturalistischer Darstellung von Menschen und Tieren zur Erkundung der Kunstform Cartoon über. Später wurde Liu einer der populärsten Cartoonisten seiner Zeit. Zeugnis seiner Beliebtheit ist, dass Drittklässler in Taiwans Grundschulen in der vierten Lektion ihres Chinesischlehrbuches mit Liu bekannt gemacht werden. Dass Drittklässler heutzutage Lius Veröffentlichungen lesen, ist unwahrscheinlich, eher werden sie wohl zeitgenössische Comics vorziehen, doch ältere Eltern waren bestimmt große Fans, da in ihrer Kindheit Lius Comics zu den wenigen Unterhaltungsoptionen für Drittklässler zählten.

Ursprünge im Krieg

Obwohl Lius Zuhause niemals ernsthaft von einem Luftangriff bedroht war, hatte der Krieg trotzdem einen tiefen Einfluss auf sein Dorf. Die Japaner setzten alle ihre Kräfte zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen ein, deswegen mussten viele Männer im Dorf ihr Zuhause verlassen und einen Pflicht-Arbeitsdienst ableisten, der anstelle von Steuern zu verrichten war. Andere Dörfler -- Männer und Frauen, jung und alt -- wurden ebenfalls herangezogen, um der Kolonialregierung Nahrungsmittel und andere Güter zu liefern. Zwar besuchte Liu die Schule, aber normal war die Schulzeit keineswegs. Liu erinnert sich, dass es während seiner Grundschulzeit für die Schüler üblich war, das Familienvieh und die jüngeren Geschwister in die Schule mitzunehmen, weil die Eltern zu beschäftigt waren, um sich um sie zu kümmern. Der Schulleiter hütete das Vieh, während seine Frau auf die Babys und Kleinkinder aufpasste, damit die Schulkinder am Unterricht teilnehmen konnten. Trotzdem waren die meisten Schüler oft abwesend, um ihren Eltern zu helfen.

Liu fing mit vier oder fünf Jahren an zu zeichnen. Nachdem er das amerikanische Flugblatt gesehen hatte, versuchte er sich an seinen ersten Cartoons. Bleistifte und Papier waren indes unerschwingliche Luxusartikel, also zeichnete er stattdessen mit Holzkohle auf Wände. "Ich habe so ziemlich alle Mauern im Dorf mit Zeichnungen bedeckt", schmunzelt er. "Ich denke, das war schon eine Leistung."

Liu konnte gut zeichnen, doch in anderen Fächern waren seine Leistungen weniger gut. In den ersten fünf Jahren seiner Schulzeit war die Unterrichtssprache Japanisch, aber Liu konnte die Sprache nicht meistern. Nachdem die Japaner den Krieg verloren hatten und aus Taiwan abzogen, lernte er in den letzten Jahren auf der Grundschule nur begrenzt Mandarin-Hochchinesisch. Für eine weitere Schulbildung auf der Mittelschule betrachtete man ihn als ungeeignet. Weitere Bildung war in seinen Augen ohnehin viel weniger praktisch als auf dem Feld mitzuhelfen, trotzdem nahm er an der Aufnahmeprüfung teil. "Meine Eltern dachten, ich könnte auf der Mittelschule wenigstens ein paar Schriftzeichen schreiben und vielleicht etwas Mathematik lernen, damit ich im Gegensatz zu ihnen nicht in den Bergwerken würde arbeiten müssen", begründet Liu. "Ich machte den Test aber nur deswegen mit, weil ich während der Prüfung eine geliehene Uhr am Handgelenk tragen durfte."

Mit einigem Glück bestand er die Prüfung. Die Mittelschule war sechs Stunden zu Fuß von seinem Elternhaus entfernt, also zog Liu bei einem Cousin in der Nähe der Schule ein. Dank der Freiheit von der harten Arbeit auf den Feldern und in den Bergwerken konnte Liu sein Können beim Zeichnen verfeinern. Bei der Aufnahmeprüfung fürs College errang er zum Teil auch durch seine Zeichenfähigkeiten eine Zulassung für das Städtische Lehrerkolleg Taipeh (heute National Taipei Univer sity of Education).

Eine Statue von Lius Cartoonfigur Große Tante begrüßt Besucher im Dorf Neiwan (Landkreis Hsinchu).


Liebe zu Märchen

Liu entschied sich für ein Lehrerkolleg, weil da keine Studiengebühren anfielen und die Verpflegung umsonst war. Von den ungewohnten kulturellen Ereignissen in Taipeh war er fasziniert, und er war entschlossen, sein Studium abzuschließen. Als er erfuhr, dass nur Absolventen mit den besten Zeugnissen Lehrerstellen in großen Städten zugewiesen bekommen würden, wurde er außerordentlich fleißig. Beim Examen im Jahre 1952 hielt er die Abschiedsrede und bekam anschließend eine Stelle in der Yongle-Grundschule in Taipeh.

Damals waren Comichefte aus Hongkong voller phantastischer Geschichten mit übernatürlichen Abenteuern bei den Grundschülern der große Renner. Liu erinnert sich, dass viele Kinder den Unterricht blaumachten, um in Seitenstraßen in Buchverleihläden zu hocken, die auch Comichefte und Zeitschriften im Angebot hatten. Manchmal liefen Schüler sogar von Zuhause fort und begaben sich in die nahegelegenen Berge, wo laut den Geschichten in den Comicheften großartige Meister mit übernatürlichen Kräften lebten. Viele der abenteuerlustigen Schüler verirrten sich, die Glücklicheren wurden lebend wiedergefunden, doch so mancher bezahlte seine Neugier mit dem Leben. Solche Vorfälle hatten ein striktes Comics-Verbot an den Schulen zur Folge, aber manche Kinder stahlen sich trotzdem davon und lasen sie in den Buchverleihläden.

"Mir kam der Gedanke, wenn Kinder solche Risiken eingingen und ihr knappes Taschengeld für Comics ausgaben, dann müssten sie einen enormen Zauber ausüben", sagt Liu. "Ich dachte, vielleicht würde es sich lohnen, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, nämlich durch die Schaffung eines erzählerischen Comicheftes."

Lius erstes Comicheft mit dem Titel Märchen erzählte die Geschichte eines Jungen, der so begeistert von Comic-Geschichten über Meister mit übernatürlichen Kräften ist, dass er beschließt, in die Berge zu gehen und sie zu finden. Er verirrt sich, erleidet großes Elend und wird schließlich von seiner Familie gefunden. Nach der Heimkehr wirft er alle seine Comics fort und warnt seine Freunde vor den Gefahren, von phantastischen Geschichten verhext zu werden.

Das 16-seitige Comicheft von Liu hatte eine gute Resonanz. Die Lehrer empfahlen es ihren Schülern, und Eltern kauften es für ihre Kinder. "Ich stellte fest, dass ich praktisch über Nacht ein berühmter Cartoonist geworden war", wundert sich Liu.

Comics als Lehrmaterial

Zeitschriften und Zeitungsredakteure traten an Liu heran und baten ihn um mehr Comics. Daraufhin schuf Liu eine Cartoonfigur nach der anderen. Viele seiner Figuren waren Einwohnern seines Heimatdorfes nachempfunden. Die Große Tante zum Beispiel ist eine tolpatschige, naive alte Jungfer, für die Lius Mutter als Vorbild diente. Die Grundlage für den Dorftrottel Bruder Asan ist Liu selbst. Alle Figuren von Liu sollen moralische Lehren bildlich darstellen und Kindern Manieren beibringen, außerdem Treue, Gehorsam den Eltern gegenüber und Mitgefühl.

Als Taiwan sich Ende der sechziger Jahre von einer Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft wandelte, startete die Regierung eine landesweite Kampagne zur Förderung von Wissenschafts-Erziehung. Ein Zeitungsredakteur bat Liu, sich an dem Projekt zu beteiligen. Zwar war er kein Wissenschaftler, doch Liu war im Problemlösen ein Naturtalent. Um beispielsweise zwei fest ineinander steckende Gläser voneinander zu trennen, goss er kaltes Wasser in das innere Glas und tauchte das äußere Glas in warmes Wasser. "Ich fragte, ob das als Wissenschaft zählte", berichtet Liu. "Es stellte sich heraus, dass das genau das war, was sie wollten -- einfache Lösungen für Alltagsprobleme."

Liu ersann Willy, einen Jungen, dem solche Lösungen einfielen. In Willys Geschichten stellte der Zeichner Probleme und Herausforderungen dar, mit denen er selbst während seiner Kindheit zu kämpfen gehabt hatte. Eine dieser Herausforderungen ist Thema in der bereits erwähnten Leselektion für Drittklässler. An seinem ersten Tag als Hirte für den seiner Familie gehörenden Ochsen wurde Klein-Liu von dem Tier nach Lust und Laune durch die Gegend gezerrt, woraufhin er seinen Vater um Rat bat. "Er sagte mir nicht, wie ich mit dem Ochsen fertig werden könnte", erinnert sich Liu. "Dafür empfahl er mir, anstatt Körperkraft mein Gehirn zu benutzen." Also band Liu ein längeres Seil an das Ochsengeschirr, um mehr Zeit zu haben, das Seilende an einen Baum zu binden, wenn das Tier durchginge. Doch als Liu sich auch gleichzeitig um sein kleines Schwesterchen kümmern musste, blieb ihm nicht mehr genug Zeit, das Seil an den nächsten Baum zu binden. Er fand eine Lösung, indem er einen hölzernen Haken ans Ende des Seils band. Falls der Ochse zu galoppieren anfinge, würde der Haken an einem Baum hängenbleiben, so dass keine Knoten erforderlich waren.

Als Liu berühmter und reicher wurde, ärgerte er sich zunehmend über Raubkopien seiner Werke. "Ich brachte ein Comicheft heraus, und am nächsten Tag waren die Raubkopien überall", schnaubt er. "Sie kupferten die Figuren ab und die Namen, sie erfanden sogar neue Figuren, die gegen meine Originale kämpften." Ein solches Original war Robot, ein Roboter, der sprechen, gehen und fliegen konnte. Robot folgte den Befehlen seines Herrn und half dabei, Verbrechen zu lösen und Gutes zu tun. Lius ursprüngliche Idee war gewesen, dass Robot aus eigenem Entschluss denken, handeln und reagieren konnte. "Doch zu einer Zeit, in der man noch nie etwas von künstlicher Intelligenz gehört hatte, fanden die Zensoren, dass das zu weit ginge", enthüllt Liu. "Ich musste Robot um eine Antenne und eine Fernbedienung ergänzen, damit sein Herr ihn steuern konnte." In einem der nicht autorisierten Comichefte prügelte ein Gegner Robot zu Schrottmetall.

Trotz dieser demütigenden Niederlage öffnete Robot eine unerwartete andere Tür für Liu. Ein Junge rief ihn an und fragte, ob Liu einen echten Roboter bauen könnte. "Ich erklärte ihm, dass das eines Tages geschehen werde, doch diese Antwort vermochte ihn nicht zufriedenzustellen", rekapituliert Liu. "Er sagte, ich könne beschuldigt werden, meine Leser in die Irre zu führen, wenn ich keinen Roboter bauen könnte." Um seine Figur überzeugender zu machen, arbeitete der Zeichner daher Tag und Nacht, um einen Spielzeug-Lehrerroboter zu basteln. Liu entwarf Cartoon-Karten, manche mit Text und manche mit Bildern. Wenn sie korrekt in das Gestell gelegt wurden, auf dem der Roboter stand, dann nickte der Roboter und klatschte in die Hände. Die "Wise Guy"-Selbstlernmaschine wurde sowohl in Taiwan als auch in den USA patentiert und markierte für Liu den Beginn einer neuen Karriere als Erfinder. Innerhalb weniger Jahre erfand er über 300 Geräte, von einem selbst-spitzenden Bleistift bis zu einem Generator, der aus Ozeanwellen Strom gewinnen konnte.

Liu entwarf diese Steinskulptur in Neiwan, die darstellt, wie Holzfäller Kampferholz mit diesen so genannten Holzpferden" transportierten.


Großartige Ideen

In den achtziger Jahren gewann Liu zahlreiche Erfinderpreise. In nur sieben Jahren beantragte und erhielt er 138 Patente im In- und Ausland. Manche der Erfindungen wie der "Wise Guy"-Roboter bescherten ihm beträchtliche Einkünfte, andere fanden bei den Verbrauchern weniger Gnade. Einer der Blindgänger war ein atmungsfreundlicher BH-Einsatz -- ein körbchenförmiges Kunststoffnetz, mit dem Damen-Badeanzüge besser atmen konnten. "Ich hielt das für eine geniale Idee, aber das Ding war wohl irgendwie seltsam und hässlich, und keiner wollte es im Badeanzug verwenden", bekennt Liu. Der Netzeinsatz erwies sich indes als praktisches Werkzeug für Kinder, die damit in Bächen kleine Fische und Garnelen fingen. "Man sagte mir, dass nur 2 Prozent der Ideen kommerziell umgesetzt werden könnten, und nur 2 Prozent der Produkte würden Gewinn abwerfen, aber das heißt nicht, dass erfinden schwer ist", philosophiert er. "Das Grundprinzip ist einfach -- simple Lösungen verwenden, um das Leben leichter zu machen, und das kann eigentlich jeder."

Liu ist stolz darauf, dass sowohl seine Erfindungen als auch seine Comics pädagogischen Nutzen haben. "Vielleicht weil ich als Lehrer ausgebildet wurde, betrachtete ich Cartoons und Spielzeug immer als Werkzeuge", interpretiert er. "Was wirklich zählt, ist, dass die Menschen durch den Gebrauch von Werkzeugen lernen." Lius Konzept von Bildung unterscheidet sich auffallend von der Methode des mechanischen Auswendiglernens, die den Schülern normalerweise von Lehrern seiner Generation verordnet wurde. Er bevorzugt die Förderung kreativen Denkens bei jungen Lernenden. Ein gutes Beispiel ist das Buch Hand-Outlined Pictures, das er veröffentlichte, nachdem er beim Unterrichten von Kunst feststellte, dass die meisten Schüler eher nachahmten als selbst etwas kreativ hervorbrachten. Sein Buch führt eine Methode vor, die Kinder ermuntert, ihre eigene Hand wie eine Schablone zu benutzen und die Umrisse verschiedener Fingerhaltungen auszumalen, um Hühner, andere Tiere oder sonstiges zu zeichnen, das ihnen in den Sinn kommt. Weltweit wurden von dem Buch über eine Million Exemplare verkauft.

Rastloser Ruhestand

Einkünfte aus Comic-Bestsellern und erfolgreiche Patente bescherten Liu finanzielle Sicherheit. 1993 setzte er sich zur Ruhe und zog nach Florida, um näher bei seinen Kindern zu leben. "Ich fand die Landschaft dort wunderschön, und nach meinem Umzug war ich zunächst in bester Stimmung, doch bald langweilte ich mich fürchterlich", erzählt er. "Ich denke, ich hatte seit meiner Kindheit immer viel zu tun. Ruhestand war für mich einfach unerträglich." Liu fand bald Ablenkungen zum Zeitvertreib. Er griff zum Stift und begann, für die chinesischsprachige Zeitung World Journal die Große Tante in den USA zu zeichnen, eine Darstellung des Kulturschocks, den er nach seiner Ankunft in diesem Land erlebt hatte. Er arbeitete auch an der Erstellung von Lehrmaterialien für Chinesisch-, Hakka- und Taiwanisch-Sprachenschulen mit. Gleichzeitig trugen Tausende von Kilometern entfernt Lius Comicfiguren dazu bei, das Dorf Neiwan unweit seines Heimatortes im Landkreis Hsinchu wiederzubeleben.

Dank seines Bergbau- und Bauholzgewerbes war Neiwan einst ein boomender Ort gewesen, doch das günstige Schicksal wendete sich, als die Reichtümer der Natur erschöpft waren. Die Lokalverwaltung bemühte sich um die Förderung von Fremdenverkehr, doch es kamen kaum Touristen. Jemand machte den Vorschlag, dass vielleicht Lius Cartoonfiguren Besucher in den vergessenen Ort locken könnten. Liu erteilte dem Dorf die Erlaubnis, seine Cartoonfiguren gebührenfrei zu benutzen. Infolgedessen wurden lebensgroße Figuren von der Großen Tante und Bruder Asan "Reiseführer" in der Gegend. Auch Restaurants und Imbissläden erhielten Lizenzen für die Große Tante. Alle Betreiber mit Genehmigung müssen jedes Jahr zur Verlängerung ihres Vertrages eine von ihm entworfene Prüfung absolvieren, und sie müssen dafür sorgen, dass sie unter dem Namen Große Tante Qualitätsprodukte anbieten, betont Liu. Ein weiterer Touristenmagnet ist ein Museum mit Lius Cartoons und Erfindungen. "Es ist schwer zu sagen, ob es eine eindeutige Verbindung zwischen den Cartoonfiguren und den Touristenzahlen gibt", konzediert Museumsmanager Dong Siou-jhen. "Es war jedoch recht offensichtlich, dass die Menschen in Scharen nach Neiwan zu kommen begannen, sobald wir die Comicfiguren hatten."

Zwar hielt sich Liu zuerst in Florida und später in Kalifornien beschäftigt, doch nach 12 Jahren in den USA fühlte er sich mit dem Leben im Westen immer noch nicht recht wohl. Vor zwei Jahren beschloss er, nach Taiwan zurückzukehren. Dabei brachte er über 200 Gemälde mit, die er während dieser "kreuzlangweiligen" Jahre vollendet hatte. Diese Werke, die Tusche-, Aquarell- und Comictechniken miteinander vereinen, stellen das alltägliche Leben und die Sitten in den Kindheitserinnerungen des Künstlers dar.

Ein Band mit Lius Erinnerungen einschließlich Reproduktionen von rund der Hälfte seiner Gemälde erschien 2005, die Herausgabe eines zweiten Bandes steht bevor. Nach Lius Worten sind die meisten Leute, die an den im Buch dargestellten Aktivitäten und Veranstaltungen beteiligt waren, entweder schon gestorben, oder sie haben nicht die Mittel, diese Dinge aufzuzeichnen; Liu ist einer der Wenigen, die über den Willen und eine Methode verfügen, diese alten Traditionen festzuhalten. Deswegen kann man jederzeit Liu dabei beobachten, wie er zu seinen Malutensilien greift und weitere Erinnerungen an eine einfachere, rauere und härtere Zeit zu Papier bringt.

(Deutsch von Tilman Aretz)