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Ein geschmack- und stilvoller Bahnhof

von Kelly HER
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Artech Inc.

Der Bahnhof für die Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn in Hsinchu gilt allgemein als Juwel moderner Architektur.


Für Taiwans Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn sind insgesamt 12 neue Bahnhöfe geplant, 8 von ihnen (Taipeh, Banciao, Taoyuan, Hsinchu, Taichung, Chiayi, Tainan, Zuoying) sind bereits in Betrieb. Mit Ausnahme der Stationen Taipeh und Banciao wurden diese Bahnhöfe zumeist eigens für die neue Eisenbahn gebaut und vereinen Funktionalitaät mit hohen ästhetischen Standards.

Sie haben nicht nur Eigenschaften wie Helligkeit, Sauberkeit, Geräumigkeit, gute Beschilderung und gut entworfene Routen gemeinsam, sondern führen auch die jeweiligen lokalen Merkmale des Ortes zur Schau. So ist zum Beispiel der neue Bahnhof in Hsinchu weithin als Juwel moderner Architektur anerkannt -- das Design nutzt Leitmotive der lokalen Hakka-Kultur und der Hightech-Industrie im nahe gelegenen Wissenschaftspark sowie lokale ökologische Faktoren wie Hsinchus starke Winde und das helle Tageslicht.

Das Äußere der eindrucksvollen Struktur erinnert den Betrachter an die filigranen Linien auf einem Halbleiterchip. Im Inneren wurden viele Glaswände eingebaut, um das natürliche Licht optimal auszunutzen. Die Station hat auch ein geschwungenes Dach in Form eines Parallelogramms, welches die Schienen und die ovale Bahnhofshalle überspannt und in dieser Form entworfen wurde, um die Luftströmungen nach oben zu lenken und dadurch den Wind für die Fußgänger auf dem westlichen Vorplatz zu vermindern. Das ist zudem ein typisches Design-Merkmal eines traditionellen Hakka-Hauses, das die Größe der Glaswände verringert und auf diese Weise die Baukosten und den Stromverbrauch für die Klimatisierung senkt.

Das Design wurde zur Teilnahme an der Biennale von Venedig und an der Architektur-Biennale Rotterdam aufgefordert, das erste Mal, dass taiwanische Architektur bei diesen hoch angesehenen internationalen Architekturmessen dabei war.

Beim Bau des neuen Bahnhofes in Hsinchu wurden hervorragende Fachleute für Beleuchtung, elektromechanische Systeme und Eisenbahnverwaltung aus der ganzen Welt eingesetzt.


"Hier in Taiwan wird normalerweise nur bei Luxuswohnstätten und Firmenzentralen Wert auf Geschmack und Stil gelegt, während öffentliche Bauten nüchtern bleiben", meint der Architekt Kris Yao, Chef von Artech Inc., welche den neuen Bahnhof in Hsinchu gestaltete. "Das ist schade und entmutigend, vor allem wenn man Taiwans wirtschaftliche Stärke bedenkt. Es war mein Wunsch, ein öffentliches Gebäude zu schaffen, das die Taiwaner stolz machen und die Herzen der Menschen in Wallung bringen kann."

Laut Yao soll sein Design-Konzept das Hightech-Image der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn mit Hsinchus kulturellen und gewerblichen Merkmalen vereinigen, um einen Raum zu schaffen, der sowohl lokale Eigenschaften als auch internationalen Stil besitzt.

Im Verlauf des Baus des Bahnhofes forderte Yao überdies sich selbst und die Standards von Taiwans öffentlicher Infrastruktur heraus, indem er talentierte Mitarbeiter aus der ganzen Welt in den Bereichen Beleuchtung, elektromechanische Systeme und Bahnhofsberatung einsetzte.

"Bahnhöfe sind Orte des Übergangs", philosophiert er. "Die Reisenden in Bahnhöfen sind meist weder freundlich noch reserviert. Trotzdem möchte ich, dass der Bahnhof ein Gefühl der Sicherheit vermittelt und Menschen verweilen lässt."

Die Bahnhöfe des 21. Jahrhunderts sollten nicht nur als Verkehrseinrichtungen betrachtet werden, sondern stattdessen als Zugangstore zu den Städten, die man von dort aus erreichen kann, und als Forum für ihre Bürger, fährt Yao fort. "Ich habe die Erwartung, dass der neue Bahnhof von Hsinchu nicht nur für die Zugpassagiere da ist, sondern auch einen angenehmen öffentlichen Raum für dieses Gebiet schafft und einen neuen Meilenstein bei Taiwans öffentlichen Bauprojekten markiert."

(Deutsch von Tilman Aretz)